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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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IV. Abschied vom Schibboleth ? 57

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57 IV. Abschied vom Schibboleth ? Über das Verschwinden der Sexualität in der zeitgenössischen Psychoanalyse Die Annahme unbewußter seelischer Vorgänge, die Anerkennung der Lehre vom Widerstand und der Verdrängung, die Einschätzung der Sexualität und des Ödipus-Komplexes sind die Hauptinhalte der Psychoanalyse und die Grundlagen ihrer Theorie, und wer sie nicht gutzuheißen vermag, sollte sich nicht zu den Psychoanalytikern zählen (Freud, 1923, GWXIII, S. 223) André Green hatte im International Journal of Psychoanalysis ein wenig provokant gefragt: „Hat die Sexualität irgendeine Beziehung zur Psychoanalyse“? (Green, 1995, [1996], eigene Übersetzung). Und Peter Fonagy stellt in der von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung herausgebrachten Schrift Identity, Gender and Sexu- ality fest: „Es scheint, als gebe es keinen Raum mehr für Sexualität in der Psychoana- lyse. Wir sehen diese nicht mehr in allen Fällen als grundlegend an oder überhaupt noch als relevant für aktuelle Theoriebildung“, und fährt fort: „Psychosexualität wird heutzutage häufiger so gesehen, daß sie andere, nicht-sexuelle selbst- und objektbezo- gene Konflikte verdeckt, als umgekehrt“ (Fonagy, 2006, S. 1, eigene Übersetzung). Nun hatte Freud allerdings gemeint, die Anerkennung der sexuellen Grundlage psy- chischer Störungen stelle geradezu den Kern der Psychoanalyse dar, und wer dies nicht anerkenne, solle sich nicht Psychoanalytiker nennen! Was ist geschehen, daß dieser Kern der freudianischen psychoanalytischen Metapsychologie auf unspektaku- läre Weise – und unter Ausnahme von Einzelbeiträgen zur weiblichen Sexualität – so sehr in den Hintergrund geraten konnte? Ich möchte diese...

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