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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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V. Vom symbolischen Gesetz zu „Narration“ und Intersubjektivität – Paradigmenwechsel in der Psychoanalyse? 73

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73 V. Vom symbolischen Gesetz zu „Narration“ und Intersubjektivität – Paradigmen- wechsel in der Psychoanalyse ? Implizite Werte der Psychoanalyse Nach Freud sieht die Psychoanalyse im Prinzip folgende Ziele der Kur: „Bewußtma- chung des Unbewußten, Aufhebung der Verdrängung, Ausfüllung der amnestischen Lücken“ (1916-17a, S. 451f.), „er soll unter der ärztlichen Leitung jenen Fortschritt vom Lustprinzip zum Realitätsprinzip machen“ (1916d, S. 365), dem Narzißmus durch die Einbettung in die Generationenfolge entgegenwirken (1912-13a, S. 188-190), auf die Illusionen verzichten und die Realität erkennen (1927c, S. 372-3). Nun wissen wir aber heute wesentlich besser als zu Zeiten Freuds, und zwar auf- grund der Forschung über Wissenschaft selbst, daß die Realität als solche nicht exis- tiert, diese vielmehr von der impliziten oder expliziten Theorie des Beobachters ab- hängt. Welche Realität gilt es also zu erkennen? Freud hatte stets versucht, die Onto- genese der individuellen Psyche mit der Geschichte seiner Gruppe, bzw. mit der Phy- logenese der Gattung und den Urphantasien als Niederschlag der Prähistorie zu ver- binden; letztere zwingen uns über das phylogenetische Erbe und dessen verkürzte Wiederholung in der Ontogenese dazu, den Geschlechts- und Generationenunterschied anzuerkennen, uns dem vom Vater der Urhorde repräsentierten symbolischen Gesetz zu unterwerfen, um auf diese Weise einen „angemessenen“ Platz in der Urszene ein- zunehmen. Nach Freud (1912-13a) ist der Vatermord Wurzel des menschlichen Schuldgefühls – ein für Triebverzicht und Sublimierung, das heißt für „Kulturarbeit“, unverzichtbares Gefühl. Dennoch bleibt der Mensch strukturell...

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