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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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VII. Vom Nutzen des Gegenübertragungstraums 104

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104 VII. Vom Nutzen des Gegenübertragungstraums In den langen Jahren meiner Arbeit an den Neurosenproblemen bin ich wie- derholt ins Schwanken geraten und an manchem irre geworden; dann war es immer wieder die ‚Traumdeutung’, an der ich meine Sicherheit wiederfand (Freud, 1908, GW II/III S. X). Ein Analytiker träumt von seinem Analysanden – was berechtigt die Annahme, daß ein solcher Traum Gegenübertragungscharakter haben kann, daß dieser Traum also mehr darstellt als eine verkleidete Wunscherfüllung seitens des Analytikers? Freud beginnt die Traumdeutung (1900a) mit der Erzählung eines Traumes, den er selbst hinsichtlich einer Patientin gehabt hatte: „Irmas Injektion“. Irma hatte ihre Behandlung abgeschlossen, ohne daß sie von allen Symptomen befreit gewesen wäre. Am Vor- abend des Traumes hatte Freud einen jüngeren Kollegen getroffen – Otto –, der in der Zwischenzeit Irma und ihre Familie besucht hatte. Otto hatte berichtet, daß es Irma besser ging, aber nicht wirklich gut. Freud hatte dies nach eigenen Worten wie eine Kritik empfunden und sich darüber geärgert. Am selben Abend schrieb er den Fallbe- richt, und in der darauffolgenden Nacht hatte er den berühmten Traum von „Irmas In- jektion“. Der Traum, so Freud, wird gewöhnlich von einem infantilen Wunsch genährt. Hier ist vermutlich einer der Gründe zu suchen, warum man so selten von Träumen von Analytikern über ihre Analysanden hört oder liest. Wer seine Träume erzählt, verrät Anteile der eigenen Phantasiewelt – die unweigerlich vom infantilen Erleben gefärbt ist: dies kann...

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