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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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VIII. Penisneid und Lust am Penis 120

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120 VIII. Penisneid und Lust am Penis Das Konzept vom Penisneid hat Freud und der Psychoanalyse überhaupt scharfe Kritik aus allen Richtungen eingebracht, in erster Linie aus den eigenen Reihen46. An Freuds düsterer Vision des Schicksals der weiblichen Sexualität haben sich ganz besonders die Feministinnen gestoßen47, die argwöhnten, die Psychoanalyse wolle die weibliche Kondition auf den Neid auf Männer, die über einen (patriarchalisch idealisierten) Penis verfügen, reduzieren und Frauen auf diese Weise letztlich auf eine biologisch fundierte Unterlegenheit festnageln. Die allgemeine Tendenz zum Soziozentrismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahr- hunderts hat auch die psychoanalytische Theorie und Praxis entscheidend verändert: Wir sehen eine breite Strömung in der zeitgenössischen Psychoanalyse, die das Sub- jekt nicht wie Freud als Ensemble von unbewußten Phantasien und libidinösen Wün- schen betrachtet, sondern in erster Linie als Produkt von (früher) Interaktion, insbe- sondere des Austauschs des Säuglings mit der Mutter bzw. deren Substitut. Die Ar- beiten von Ferenczi, M. Klein, Fairbairn, Winnicott, Bion und vielen anderen haben das Verständnis für die überragende Bedeutung präödipaler Erfahrungen im Subjekti- vierungsprozeß ganz entscheidend erweitert, und dieser Zugewinn beim Verständnis des menschlichen Entwicklung kann nur begrüßt werden. Im Rahmen dieses erweiterten Blickwinkels trat der Blick auf die ökonomische Or- ganisation des Subjekts, seine Triebstruktur, die autoerotische Wirklichkeit, ja des Se- xuellen überhaupt zunehmend in den Hintergrund. Konzepte wie das von Todestrieb oder Penisneid spielen in vielen neueren psychoanalytischen Theorien...

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