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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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X. Die Geschwisterbeziehung – Postmoderne psychoanalytische Perspektiven zur „Horizontalisierung“ in der Beziehungswelt 150

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150 X. Die Geschwisterbeziehung – Postmoderne psychoanalytische Perspektiven zur „Horizontalisierung“ in der Beziehungswelt Die Ebene der Geschwisterbeziehung nimmt einen wichtigen Platz in der Entstehung neuer Formen sozialer Bindung in der Moderne ein: Die integrativen und assimilatori- schen Tendenzen in unserer Gesellschaft beruhen auf „Brüderlichkeit“. In Frankreich prangt dieser Begriff seit der Revolution auf jedem Rathaus, in Deutschland heißt es „Einigkeit, Recht, Freiheit“. Alle sollen teilhaben, auf derselben Ebene, ausgestattet mit denselben Rechten und Pflichten. Diese ideologische Einheit der „Brüder“ ver- weist auf einen egalitären Urmythos und ein Ursprungsdrama, wie es etwa die franzö- sische Revolution darstellt. Ich werde diese aktuelle Dimension bei der Frage nach der geschwisterlichen Be- ziehung nicht aus dem Auge verlieren. Zunächst möchte ich die metapsychologischen Überlegungen hinsichtlich der geschwisterlichen Beziehungen und deren familiärer Einbettung darstellen. Dann werde ich nachzeichnen, wie Freud die Entstehung von Brüderlichkeit aus der Geschwisterbeziehung heraus sieht. Ich schließe mit Phänome- nen von Brüderlichkeit allgemein in der Gegenwart, die auch die Psychoanalyse selbst betreffen. In der Psychoanalyse ist die Frage nach der Geschwisterbeziehung relativ wenig er- forscht worden, zumindest wenn man mit den vielen metapsychologischen Bemühun- gen vergleicht, die Beziehung zwischen Kindern und Eltern zu verstehen. Die spezifi- sche Dimension dieser stärker vertikal organisierten Beziehung spiegelt sich in der Einrichtung des klassischen analytischen Rahmens: Der Analytiker ist wie eine Eltern- figur der „Gebieter“ des Arbeitsrahmens, er gibt die Regeln vor, die entweder akzep- tiert werden müssen oder eben nicht,...

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