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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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XI. „Gratwanderung im Buchenwald“ – Überlegungen zum „Jüdischen“ 165

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165 XI. „Gratwanderung im Buchenwald“ – Überlegungen zum „Jüdischen“ Die Schwierigkeit, das, was sich zwischen Juden und Nicht-Juden in Europa ereignet hat, zu denken, zu symbolisieren, zu integrieren, ist eine der wichtigsten Gründe dafür, daß diese „Vergangenheit nicht untergehen will“ und nicht untergehen kann. Was können Psychoanalyse und Gruppenanalyse beitragen, wenn es darum geht, Verständ- nis da zu schaffen, wo es psychisch scheinbar nur Unbegreifliches gibt. Zunächst zwei Begebenheiten, die mich sehr nachdenklich gemacht haben. Ein deutsch-jüdischer Freund von mir, der in den 80er Jahren nach Israel umgezogen ist, erzählte mir bei einem Besuch, daß er kurz nach seiner Ankunft dort eine Gruppenthe- rapie begonnen hat. An dieser Gruppe nahm auch eine Teilnehmerin teil, die ein Kon- zentrationslager überlebt hatte. Mein Freund erzählte mir, noch immer spürbar ver- blüfft: Stell’ Dir mal vor, in einer Sitzung hat kürzlich ein anderer Teilnehmer zu dieser Frau gesagt, als sie wieder einmal von ihren schrecklichen Erfahrungen anfängt: ‚Ich kann es nicht mehr hören! Ich kann es einfach nicht mehr hören !’ Er lacht ein wenig geniert. Ich weiß nicht, warum dieser Teilnehmer „es nicht mehr hören kann“, ich glaube aber, daß es wohl nur in Israel möglich ist, so etwas in einer Gruppentherapie zu sagen. Es kommt also unter anderem auch auf den Ort, den Stand- ort an, ob und wie man bestimmte Dinge denken und vor allem auch sagen kann. Eine zweite Begebenheit: ein deutscher Kollege...

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