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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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XIII. Die Zukunft der Psychoanalyse 182

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182 XIII. Die Zukunft der Psychoanalyse Wir werden auch sehr wahrscheinlich genötigt sein, in der Massenanwendung unserer Therapie das reine Gold der Analyse reichlich mit dem Kupfer der direkten Suggestion zu legieren, und auch die hypnotische Beeinflussung könnte dort wie bei der Behandlung der Kriegsneurotiker wieder eine Stelle finden. Aber wie immer sich auch diese Psychotherapie fürs Volk gestalten, aus welchen Elementen sie sich zusammensetzen mag, ihre wirksamsten und wichtigsten Bestandteile werden gewiß die bleiben, die von der strengen, der tendenzlosen Psychoanalyse entlehnt worden sind (GW XII, S.193f.). Zukunftsprognosen sind eigentlich nicht die Sache von Psychoanalytikern. Die Psy- choanalyse beschäftigt sich mit dem psychischen Geschehen, so wie es durch die Triebbeschaffenheit und durch „vergangene“ Eindrücke und deren Verarbeitung auf der Phantasieebene entsteht. Wir sind also in unserer Suche nach Verständnis und Sinn professionell in erster Linie rückwärtig orientiert, können Genesen nachzeichnen oder konstruieren, aber daraus kaum Meinungen oder gar Empfehlungen ableiten, die über die Einsichten des üblichen aufgeklärten Staatsbürgerbewußtseins hinausgingen. Lei- der kann man von Psychoanalytikern deshalb wenig erwarten, wenn es zu „unbeque- men aktuellen Zeitfragen“ in Gegenwart und Zukunft konkretere Aus- oder Vorhersa- gen zu machen gilt, so wie Paul Parin es einmal fordernd formulierte. Wir sind und wirken „ewig gestrig“. Wenn ich trotzdem zur Zukunft der Psychoanalyse Überlegun- gen anstellen will, so werde ich dies nach psychoanalytischer Tradition im Rückgriff auf Vergangenes, auf Bisheriges tun. Kurze Bestandsaufnahme Warum machen sich Psychoanalytiker überall auf der Welt...

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