Show Less

Flavius Ricimer

Macht und Ohnmacht des weströmischen Heermeisters in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts

Series:

Friedrich Anders

Flavius Ricimer spielte von 456 bis 472 als Militär und Politiker eine zentrale Rolle in der Geschichte des Weströmischen Reiches. Als Heermeister war er eingebunden in ein Beziehungsgeflecht machtpolitischer Akteure (Kaiser, Armee, Senatsaristokratie, Kirche, germanische gentes, Oströmisches Reich), die im Westreich um Einfluss und Autonomie stritten. Ricimer vermochte unter diesen Rahmenbedingungen Italien und seine dortige Machtstellung zu sichern, konnte aber die Auflösung des Westreichs in den außeritalischen Gebieten nicht verhindern. Bei der Ausübung seiner Macht orientierte Ricimer sich – noch ganz in römischen Kategorien agierend – an seinen Vorgängern Stilicho, Fl. Constantius und Aetius, präfigurierte aber gleichzeitig bereits die ihm in Italien nachfolgenden germanischen Herrscher Odoaker und Theoderich. Die Arbeit verbindet eine biografisch-ereignisgeschichtliche Untersuchung von Ricimers Karriere mit einer Untersuchung der strukturellen Rahmenbedingungen seiner Machtposition und Reichspolitik in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

III. Die Rahmenbedingungen für Ricimers Aufstieg im Weströmischen Reich 39

Extract

39 III. Die Rahmenbedingungen für Ricimers Aufstieg im Weströmischen Reich Karriere und Politik Ricimers zwischen 456 und 472 sind nur im Zusammen- hang mit der allgemeinen Entwicklung und der Ereignisgeschichte des Römi- schen Reiches in dieser Zeit darstellbar. Die Situation im Westen des Reiches und in Italien, aber auch die Lage im östlichen Reichsteil sowie die besondere Stellung des ersten Heermeisters im Machtgefüge des Westens, wie sie sich be- reits in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts entwickelt hatte, bestimmten Rici- mers Handeln und determinierten seinen politischen Handlungs- und Bewe- gungsspielraum: Sie steckten die politische Bühne ab, auf der Ricimer im West- reich agieren konnte. 1. Das Weströmische Reich nach der Zäsur der Jahre 454/455 Die neun Monate zwischen September 454 und Juni 455 markierten einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Weströmischen Reiches.76 Zunächst wurde im September 454 der Heermeister Flavius Aëtius und wenige Monate darauf im März 455 Kaiser Valentinian III. ermordet. Die anschließende Kaisererhebung des stadtrömischen Senators Petronius Maximus führte nicht zu der erhofften Stabilisierung der Lage, vielmehr fand auch der neue Kaiser bereits nach kürzes- ter Zeit Ende Mai 455 ein gewaltsames Ende. Im Juni 455 schließlich wurde die Stadt Rom zwei Wochen lang praktisch ohne militärische Gegenwehr von den Vandalen geplündert. Die politischen und finanziellen Auswirkungen dieser Er- eignisse der Jahre 454/455 veränderten die innen- und außenpolitische Lage der westlichen Reichshälfte grundlegend. F...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.