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Flavius Ricimer

Macht und Ohnmacht des weströmischen Heermeisters in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts

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Friedrich Anders

Flavius Ricimer spielte von 456 bis 472 als Militär und Politiker eine zentrale Rolle in der Geschichte des Weströmischen Reiches. Als Heermeister war er eingebunden in ein Beziehungsgeflecht machtpolitischer Akteure (Kaiser, Armee, Senatsaristokratie, Kirche, germanische gentes, Oströmisches Reich), die im Westreich um Einfluss und Autonomie stritten. Ricimer vermochte unter diesen Rahmenbedingungen Italien und seine dortige Machtstellung zu sichern, konnte aber die Auflösung des Westreichs in den außeritalischen Gebieten nicht verhindern. Bei der Ausübung seiner Macht orientierte Ricimer sich – noch ganz in römischen Kategorien agierend – an seinen Vorgängern Stilicho, Fl. Constantius und Aetius, präfigurierte aber gleichzeitig bereits die ihm in Italien nachfolgenden germanischen Herrscher Odoaker und Theoderich. Die Arbeit verbindet eine biografisch-ereignisgeschichtliche Untersuchung von Ricimers Karriere mit einer Untersuchung der strukturellen Rahmenbedingungen seiner Machtposition und Reichspolitik in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts.

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VIII. Schluss und Ausblick: Ricimer und das Ende des Weströmischen Reiches 513

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513 VIII. Schluss und Ausblick: Ricimer und das Ende des Weströmischen Reiches 1. Ricimers politisches Erbe: Das Westreich nach dem Tod des Heermeisters 4721785 Betrachtet man die Entwicklung des Weströmischen Reichs nach dem Tod Ri- cimers 472 bis zur Absetzung des letzten in Italien präsenten westlichen Kaisers Romulus Augustulus 476 und darüber hinaus die Regierungszeit Odoakers (476 – 490/93) sowie die Anfänge der ostgotischen Herrschaft unter Theoderich in Italien (ab 490/93), so lassen sich eine ganze Reihe von Kontinuitätslinien fest- stellen: In verschiedenen Bereichen wirkte die lange Amtszeit Ricimers (456 – 472) nachhaltig weiter und seine Reichs- und Italienpolitik bot Anknüpfungs- punkte für die jeweiligen neuen Machthaber, die unter vergleichbaren äußeren Bedingungen ihre Stellung etablieren und sichern mussten. So gelang es auch nach 472, die territoriale Integrität des italischen Festlands mit dem strategi- schen Vorfeld des Alpenraumes zu sichern, da die Nachfolger Ricimers in Itali- en dies ebenfalls zu einer Priorität ihrer Politik machten. Abgesehen vom Ver- lust Siziliens, das nach 468 an die Vandalen gefallen war, konnte die Halbinsel trotz fortdauernder und sich sogar weiter beschleunigender interner Macht- und Herrschaftswechsel gegen äußere Bedrohungen gesichert werden, so dass der administrative, militärische und ökonomische Zusammenhalt Italiens erhalten blieb. Auch nach der Regierungsübernahme der Ostgoten in Italien 490/93 wur- den die Einheit Italiens und die Kontrolle über die angrenzenden Gebiete ge- wahrt. Erst die Reichsgründung der Langobarden beendete 568 die territoriale Integrität des italischen Festlands. Die militärische...

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