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Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen ‘Staatsumbruch’ (1918) und ‘nationaler Revolution’ (1933)

Ursachen und Folgen

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Karl Dienst

Auch Erlebnis- und Kampfbilder beeinflussen Beschreibung und Deutung der ‘Kirchlichen Zeitgeschichte’. Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Erforschung des ‘Kirchenkampfes’ hin zu einer historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus: Dieses heute vor allem von Allgemeingeschichtlern vertretene Forschungsziel eröffnet neue Wege zur Wahrnehmung und Interpretation einer vor allem für den Protestantismus schwierigen Zeit. Es enthält aber auch die Erkennen und Verstehen beeinträchtigenden Vorannahmen und Defizite, die hier – auch unter Einbeziehung der christlichen Studentenverbindung ‘Wingolf’ – durch eine Untersuchung des sich bis in die Gegenwart auswirkenden Verhältnisses von Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau bearbeitet werden.

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Zur Einführung 9

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9 Zur Einführung Trotz des immer weiter wachsenden Umfangs zeitgeschichtlicher Literatur auch im Blick auf das Verhältnis von Kirche und Nationalsozialismus macht sich vor allem im Blick auf die Werturteile und praktischen Interessen, die dabei im Spiel sind, zu- nehmend ein Unbehagen breit. Auch bei den eigenen Forschungen bin ich immer wieder auf die Tatsache gestoßen, daß in den Auseinandersetzungen der verschie- denen kirchenpolitischen Gruppen nicht nur 'hehre Wissenschaft', sondern auch be- stimmte 'Erlebnis- und Kampfbilder', zuweilen auch 'Familienbilder' eine wichtige Rolle spielen. Mögen solche 'Bilder' auch weniger historische Quellen zur Rekon- struktion vergangenen Geschehens sein, mag sogar ihr Quellenwert bestritten wer- den: Sie sind vor allem eine Quelle dafür, wie vergangenes Geschehen erinnert und mit Sinn erfüllt wird. Sie machen auf die soziale und kommunikative Konstruktion von Sinn aufmerksam: Erleben, Wahrnehmung und Erinnerung vollziehen sich gleichermaßen auch unter dem Rückgriff auf soziale Bezugsrahmen, auf kollektive Deutungsmuster. In jeder individuellen Erinnerung stecken also auch überindividu- elle, 'objektive' Elemente, deren Anordnung jedoch eine persönliche, lebensge- schichtliche Prägung erfahren hat. Bei mancher herkömmlichen theologienahen, Beschreibung und Deutung öfters miteinander verquickenden Behandlung des Kirchenkampf-Themas handelt es sich um eine gewisse Idealisierung der Haltung der 'Bekennenden Kirche' (BK), mithin (wenigstens tendenziell) um so etwas wie 'verkündigende Literatur', auch wenn die Notwendigkeit der Buße für eigene Schuld immer wieder betont wird. So wurde z.B. die 'Barmer Theologische Erklärung' von 1934 erst nach 1945 als die "von An- fang an bewu...

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