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Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen ‘Staatsumbruch’ (1918) und ‘nationaler Revolution’ (1933)

Ursachen und Folgen

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Karl Dienst

Auch Erlebnis- und Kampfbilder beeinflussen Beschreibung und Deutung der ‘Kirchlichen Zeitgeschichte’. Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Erforschung des ‘Kirchenkampfes’ hin zu einer historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus: Dieses heute vor allem von Allgemeingeschichtlern vertretene Forschungsziel eröffnet neue Wege zur Wahrnehmung und Interpretation einer vor allem für den Protestantismus schwierigen Zeit. Es enthält aber auch die Erkennen und Verstehen beeinträchtigenden Vorannahmen und Defizite, die hier – auch unter Einbeziehung der christlichen Studentenverbindung ‘Wingolf’ – durch eine Untersuchung des sich bis in die Gegenwart auswirkenden Verhältnisses von Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau bearbeitet werden.

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Staatsumbruch und Religionskultur 17

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17 Staatsumbruch und Religionskultur Trennung von Staat und Kirche? Der 9. November 1918 bedeutete für viele evangelische Christen den Zusammen- bruch einer ganzen Weltordnung und die Zerstörung jener Fundamente, auf denen bisher die politische Kultur Deutschlands geruht hatte. Der später auch politisch als Unterstaatssekretär im preußischen Kultusministerium engagierte Heidelberger li- berale Theologe Ernst Troeltsch (DDP) schildert diese Stimmung am 11.11.1918 beim 70. Geburtstag des Historikers Hans Delbrück: "Man sprach gedämpft. Der Glück wünschende Redner fand vor Tränen die Worte nicht. Delbrück erwiderte er- greifend, es sei das Ende der friderizianischen Monarchie, mit der all sein politi- sches Denken und jeder Glaube an Deutschlands Zukunft verwachsen sei; sie habe stets an bösen Rückbildungen und Erstarrungen gelitten, woraus sich stets revoluti- onäre Neigungen ergaben. So furchtbar wie jetzt habe es freilich mit ihr noch nie gestanden. Der Glaube des Historikers an alle seine bisherigen Maßstäbe und Vor- aussetzungen sei im Wanken. Aber es gelte Goethes Wort: 'Und keine Macht und keine Zeit zerstückelt geprägte Form, die lebend sich entwickelt'. Ich ging fort ohne Glauben an diese geprägte Form, denn soviel man sehen konnte, war gerade ihr 'Gepräge' die militärische Form und der zugehörige 'Geist' bei den Massen unheil- bar zerbrochen. Was aber dann?"1 "Ora pro nobis, patrona Bavariae", ließ der Münchener Erzbischof damals die Geistlichen seiner Erzdiözese in den Gottesdiensten flehen – nicht ohne Grund! Im Januar 1919...

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