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Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen ‘Staatsumbruch’ (1918) und ‘nationaler Revolution’ (1933)

Ursachen und Folgen

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Karl Dienst

Auch Erlebnis- und Kampfbilder beeinflussen Beschreibung und Deutung der ‘Kirchlichen Zeitgeschichte’. Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Erforschung des ‘Kirchenkampfes’ hin zu einer historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus: Dieses heute vor allem von Allgemeingeschichtlern vertretene Forschungsziel eröffnet neue Wege zur Wahrnehmung und Interpretation einer vor allem für den Protestantismus schwierigen Zeit. Es enthält aber auch die Erkennen und Verstehen beeinträchtigenden Vorannahmen und Defizite, die hier – auch unter Einbeziehung der christlichen Studentenverbindung ‘Wingolf’ – durch eine Untersuchung des sich bis in die Gegenwart auswirkenden Verhältnisses von Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau bearbeitet werden.

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Kirchenkampfgeschichte als Personengeschichte 99

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99 Kirchenkampfgeschichte als Personengeschichte Von Erlebnis- und Kampfbildern zu einer historisch-kritischen Aufarbeitung Bei der nach 1945 vorherrschenden theologienahen Forschung handelte es sich in nicht wenigen Fällen auch um die Geschichte einer gewissen Idealisierung der ge- nannten kirchen- und theologiepolitischen Auseinandersetzungen. "Die Bekennende Kirche ist entstanden als eine Bußbewegung von Pfarrern, Ältesten und Gemeinde- gliedern, die sich durch den Herrn der Kirche haben rufen lassen zur Anerkennung seiner alleinigen Herrschaft in Verkündigung und Ordnung der Kirche. Diese Buß- bewegung wurde stark im Kampfe gegen die deutschchristliche und nationalsozia- listische Bedrohung einer an Schrift und Bekenntnis gebundenen Kirche" – so for- mulierte es programmatisch Karl Herbert1 als Repräsentant einer eher 'kirchennahen Grunderzählung', einer 'familiennahen hagiographischen Darstellung des radikalen bruderrätlichen Flügels der Bekennenden Kirche' (BK).2 Gleichzeitig wird auf ihre über eine 'reine Theologie' hinausgehende kirchen- und theologiepolitische, ja auch politische Relevanz aufmerksam gemacht.3 Daraus folgt auch eine Idealisierung der 'Bekennenden Kirche bzw. Gemeinde', die sich bis heute – z.B. noch in der EKHN – findet. Demgegenüber macht sich, wie wir sahen, bei manchen Kirchenhistori- kern, vor allem aber auch bei nicht wenigen Vertretern der Allgemeingeschichte die Forderung nach einem Abschied von solchen 'heroisch-selektiven, selbstlegitimato- rischen Kirchenkampfbildern' und die Hinwendung zu einer 'historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus' breit.4 Dazu gehören aber auch Bio- graphien über Führerpersönlichkeiten auch von den 'protestantischen Unpersonen' dieser Zeit, zu denen ich auch 'Abgeordnete' (Synodale) rechne, die 1933 entspre- chende Richtungsentscheidungen getroffen haben. Hier begegnet nun eine Überraschung! Im Blick...

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