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Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen ‘Staatsumbruch’ (1918) und ‘nationaler Revolution’ (1933)

Ursachen und Folgen

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Karl Dienst

Auch Erlebnis- und Kampfbilder beeinflussen Beschreibung und Deutung der ‘Kirchlichen Zeitgeschichte’. Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Erforschung des ‘Kirchenkampfes’ hin zu einer historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus: Dieses heute vor allem von Allgemeingeschichtlern vertretene Forschungsziel eröffnet neue Wege zur Wahrnehmung und Interpretation einer vor allem für den Protestantismus schwierigen Zeit. Es enthält aber auch die Erkennen und Verstehen beeinträchtigenden Vorannahmen und Defizite, die hier – auch unter Einbeziehung der christlichen Studentenverbindung ‘Wingolf’ – durch eine Untersuchung des sich bis in die Gegenwart auswirkenden Verhältnisses von Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau bearbeitet werden.

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Gießener Wingolfiten als Darmstädter Pfarrer um 1933 147

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147 Gießener Wingolfiten als Darmstädter Pfarrer um 1933 Schon die moralisch-symbolisch hoch aufgeladene Selbstbezeichnung der Ausei- nandersetzungen zwischen Nationalsozialismus und Kirche als 'Kirchenkampf' zeigt, wie wir gesehen haben, die Vorordnung von 'Schrift und Bekenntnis', also des theologischen Faktors vor den durch das Ineinandergreifen von Person, Gesellschaft und Kultur bestimmten personellen Repräsentationen an: Kirche ist 'Leib Christi', 'Gemeinde unter Wort und Sakrament'. Der deutsche Protestantismus als personal vermitteltes kulturelles Milieu, das Ineinandergreifen von Person, Gesellschaft und Kultur tritt dagegen in den Hintergrund. Demgegenüber soll hier in einem eng be- grenzten Gebiet versucht werden. Damals übliche Pfarrerkarrieren in ihren vielfa- chen Verfechtungen skizzenhaft dazuzustellen. Dem dient die Untersuchung von Darmstädter Pfarrern aus der Umbruchzeit von 1933, die im Gießener Wingolf ak- tiv waren. Der Grund: Gießen war Landesuniversität des Großherzogtums Hessen, was auch im Blick auf die Auswahl und Anstellungsvoraussetzungen der Pfarrer zumindest bis 1918 wichtig war, aber auch später noch nachwirkte. Stadtkirchengemeinde Hier ist zunächst Konrad Velte (L 76, E 77, Gi 78) zu nennen. Am 13.9.1856 in Langgöns als Sohn eines Landwirts geboren, war Konrad Velte nach Studium in Leipzig, Erlangen und Gießen 1880-1882 Vikar in Büdingen, 1882 Vikar in Butz- bach, 1882-1888 Pfarrer in Melbach, 1888-1897 zweiter Pfarrer in Fried- berg/Hessen und 1897-1901 Pfarrer in Worms, bevor er 1901-1919 Stadtpfarrer (1902-1919 zugleich erster Pfarrer in Darmstadt) war. 1919 wurde Velte als ord. Professor der Theologie an das Predigerseminar in Friedberg berufen, wo er bis 1927...

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