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Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen ‘Staatsumbruch’ (1918) und ‘nationaler Revolution’ (1933)

Ursachen und Folgen

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Karl Dienst

Auch Erlebnis- und Kampfbilder beeinflussen Beschreibung und Deutung der ‘Kirchlichen Zeitgeschichte’. Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Erforschung des ‘Kirchenkampfes’ hin zu einer historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus: Dieses heute vor allem von Allgemeingeschichtlern vertretene Forschungsziel eröffnet neue Wege zur Wahrnehmung und Interpretation einer vor allem für den Protestantismus schwierigen Zeit. Es enthält aber auch die Erkennen und Verstehen beeinträchtigenden Vorannahmen und Defizite, die hier – auch unter Einbeziehung der christlichen Studentenverbindung ‘Wingolf’ – durch eine Untersuchung des sich bis in die Gegenwart auswirkenden Verhältnisses von Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau bearbeitet werden.

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Der 'Kirchenkampf' zwischen Beschreibung und Deutung: z.B. Pfarrer Ernst Koenigs/ Weisel (T 10, Be 11) 165

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165 Der 'Kirchenkampf' zwischen Beschreibung und Deutung: z.B. Pfarrer Ernst Koenigs/ Weisel (T 10, Be 11) Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Kirchenkampfforschung hin zur historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus und damit auch des nicht nur theologisch, sondern auch kulturell und politisch bedeutsamen Phä- nomens 'Kirchenkampf' – so läßt sich kurz die Richtung eines von Allgemeiner Ge- schichte und zunehmend auch von der Kirchengeschichte angestrebten Fokuswan- dels beschreiben. Dies soll im Folgenden am Beispiel eines dörflichen Kirchen- kampfes näher erläutert werden.1 Ein 'dörflicher' Kirchenkampf: Versuch einer Bestandsaufnahme Zum Weiseler Pfarrerbild Die Weiseler 'Kirchlichkeit' 2 beruhte in starkem Maße auf dörflicher Sitte. Sie drückte sich vor allem in der Nachfrage nach den wichtigsten Angeboten der 'Amtskirche' aus, zu denen Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung, der Be- such des Gottesdienstes (mit 'naturständischer', nach Geschlecht, Verheiratung und Alter getrennter Sitzordnung) und Teilnahme am Abendmahl ('Ständeabendmahl': Jugend an Weihnachten, Landwirte am Erntedankfest, Alte am Totensonntag) ge- hörten. Die Vermittlung oberster Werte und Normen (z.B. durch Predigt, Religions- und Konfirmandenunterricht, Christenlehre für Konfirmierte) und die helfende Be- gleitung an den Wendepunkten und in den Krisensituationen des Lebens sind die wichtigsten Kennzeichen dieser 'Volkskirche'. 'Kirchlichkeit' war weniger eine Sa- che der Überzeugung als der Gewohnheit und der Sitte. Sie war intakt, wenn sie fest in die dörfliche Gemeinschaftskultur eingepflanzt war. "Gehörte die Beachtung kirchlicher Gebote zur Grundausstattung des dörflichen Normensystems, dann war das Amt des Pfarrers aus dem dörflichen Gemeinschafts- leben nicht...

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