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Was ist Musiksoziologie?

Ausgewählte Texte- Herausgegeben von Michael Parzer

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Michael Parzer

Kurt Blaukopf (1914-1999) gilt als einer der bedeutendsten Musiksoziologen des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von einer empiristischen Tradition österreichischer Kunst- und Kulturforschung begründete Blaukopf die «Wiener Schule der Musiksoziologie», zu deren Zielsetzung die interdisziplinäre Erforschung musikalischer Praxis unter besonderer Berücksichtigung ihrer musik-, kultur- und medienpolitischen Relevanz zählt. Der Band Was ist Musiksoziologie? versammelt eine Reihe der wichtigsten musiksoziologischen Texte von Kurt Blaukopf, die zwischen 1949 und 1997 entstanden sind. Sie geben nicht nur Aufschluss über die zentralen Charakteristika der österreichischen Tradition musiksoziologischen Denkens, sondern zeichnen auch deren Entstehung und Weiterentwicklung nach.

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Der Begriff des Fortschritts in der Musiksoziologie 143

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143 Der Begriff des Fortschritts in der Musiksoziologie1 Wenn man zur Annahme neigt, daß „Wege zu einer ausgearbeiteten Theorie des Fortschritts in der Musik prinzipiell möglich sind“2, dann empfi ehlt es sich zu untersuchen, unter welchen Aspekten in der Mu- sik von Fortschritt die Rede sein könnte. Die Musiksoziologie stellt sich dieser Frage. Sie unterscheidet zumindest drei solcher Aspekte: a) Fortschritt der künstlerischen Entwicklung selbst; b) Fortschritt in der Entwicklung und Nutzung der techni- schen Mittel, die für das Schaffen und die Verbreitung von Musik eingesetzt werden; c) Fortschritt in der Verwirklichung der demokratiepoliti- schen Forderung, möglichst vielen Menschen die Teilnah- me an der Musikkultur und den Zugang zur Musikkultur zu ermöglichen. Jede dieser Fragen verdient gesonderte Behandlung. Fortschritt der künstlerischen Entwicklung Eine eurozentrische Sicht hat lange Zeit dazu verführt, die abendlän- disch-neuzeitliche Kunstmusik als „höchste“ anzusehen. Noch bei Kretzschmar fi nden sich Spuren dieser Denkweise. Grundsätzliche Bedenken dagegen hat schon Hegel angemeldet. In bezug auf ältere Schöpfungen der bildenden Kunst, die dem neuzeitlichen Kunstbe- wußtsein unvollkommen oder ungeschickt scheinen mögen, meinte Hegel, daß deren Gestaltung eben einem andersartigen Kunstbewußt- sein entsprochen habe. Was den späteren Beobachter unvollkommen anmute, sei „nicht unabsichtliche technische Übungslosigkeit und Un- geschicklichkeit, sondern absichtliches Verändern, welches vom Inhalt, der im Bewußtsein ist, ausgeht und von demselben gefordert wird.“3 1 Erstmals erschienen in: Hanns-Werner Heister (Hg.): Zwischen Erklärung & Kulturindustrie. Festschrift für Georg Knepler zum...

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