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Der «caso Parmalat» in der Berichterstattung italienischer Print- und Rundfunkmedien

Eine Studie zur sprachlichen Markierung von Corporate Identity, lokaler und nationaler Identität

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Andreas Bschleipfer

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Freunde der Universität Augsburg 2009.
Parmalat gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigen Symbolen für die Wirtschaftsentwicklung Italiens und der Region Parma. Eine tiefgreifende Finanzkrise des Unternehmens 2003/2004 stellte das Identitätssymbol grundlegend in Frage. Die vergleichende Untersuchung der medialen Behandlung der Krise bildet das Rahmenthema dieses Buches. Es widmet sich der Konstitution von kollektiven Identitäten, den Ritualen und Symbolen nationaler und lokaler Identifikation sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Interessen. Die Fallstudie leistet einen sprach- und medienwissenschaftlichen Beitrag zur Theoriediskussion in der Identitätsforschung und geht folgenden Fragen nach: Wie beeinflussen Medien die Bedingungen von Identitätskonstruktionen? Inwieweit sind Unternehmen ambivalente Identitätssymbole, zumal wenn die Corporate Identity krisenhaften Einflüssen unterliegt? Wie werden Identitätsdiskurse konkret versprachlicht und medialisiert?

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2.4.2.1. Antike Philosophie (Aristoteles) 65

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2.4. Identitätsmarkierung durch Sprache 65 2.4.2.1. Antike Philosophie (Aristoteles) Die Aussage, dass eine gemeinsame Sprache das zentrale Medium menschlicher Gruppenbildung darstellt, bildet eine der Kernthesen der Politika des Aristoteles – ein Text, dessen tradierte Inhalte freilich ihrerseits konstitutiv für die kulturelle Identität westlicher Gesellschaften geworden sind. Aristoteles definiert den Men- schen als ein "von Natur aus in der Polis lebendes Wesen" (zōōn politikon, cf. Ari- stoteles 1922: 4), als ein soziales Lebewesen also, das in Gemeinden, politischen Ordnungen (etwa Staaten) oder allgemeiner: in Gruppen lebt. Die gemeinschaftsbil- denden Handlungen werden hier als elementare Verhaltensweisen des Menschen verstanden. Das Merkmal der Gruppenbildung habe der Mensch mit einigen Tieren gemeinsam, die in Schwärmen, Herden, Rudeln oder "Staaten" leben. In der Schaf- fung der Gemeinschaft sieht Aristoteles somit einen natürlichen Prozess. Für den Menschen gilt jedoch, dass sich das Ergebnis dieses Prozesses, nämlich die Heraus- bildung der Polis als ein Zusammenschluss von Einzelsiedlungen, nur aufgrund des- jenigen Merkmals vollziehen kann, das den Menschen von anderen gruppenbilden- den Lebewesen unterscheidet: des Besitzes von Sprache (zōōn logon echon, cf. Aristoteles 1922: 4). Diese Fähigkeit ermöglicht nach Aristoteles insbesondere die Mitteilung dessen, was gerecht und ungerecht ist. Beide Definitionen des Men- schen, zōōn politikon und zōōn logon echon, sind untrennbar miteinander verbun- den. Die Gemeinsamkeit der sprachlichen Fähigkeit bewirkt erst den Zusammen- schluss zu Kollektiven und sozialen Verbänden (wie vor allem Haus- und Polisge- meinschaft, also Familie und Staat, cf. Aristoteles 1922:...

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