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Der «caso Parmalat» in der Berichterstattung italienischer Print- und Rundfunkmedien

Eine Studie zur sprachlichen Markierung von Corporate Identity, lokaler und nationaler Identität

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Andreas Bschleipfer

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Freunde der Universität Augsburg 2009.
Parmalat gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigen Symbolen für die Wirtschaftsentwicklung Italiens und der Region Parma. Eine tiefgreifende Finanzkrise des Unternehmens 2003/2004 stellte das Identitätssymbol grundlegend in Frage. Die vergleichende Untersuchung der medialen Behandlung der Krise bildet das Rahmenthema dieses Buches. Es widmet sich der Konstitution von kollektiven Identitäten, den Ritualen und Symbolen nationaler und lokaler Identifikation sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Interessen. Die Fallstudie leistet einen sprach- und medienwissenschaftlichen Beitrag zur Theoriediskussion in der Identitätsforschung und geht folgenden Fragen nach: Wie beeinflussen Medien die Bedingungen von Identitätskonstruktionen? Inwieweit sind Unternehmen ambivalente Identitätssymbole, zumal wenn die Corporate Identity krisenhaften Einflüssen unterliegt? Wie werden Identitätsdiskurse konkret versprachlicht und medialisiert?

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2.4.3. Einzelsprache: Haben Sprachen eine Identität? 72

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72 2. Identität, Sprache, Medien aus den Bereichen Gesellschaftstheorie und Wissenschaft an, die er als "eine Serie von Brüchen in den Diskursen des modernen Wissens" (Hall 1994: 193) versteht und deren Haupteffekt er in der Fragmentierung des individuellen Selbstbildes sieht. Neben Marx, Freud, Foucault und dem Feminismus gilt dem Soziologen Hall insbesondere der Strukturalismus von de Saussure als ein solcher dezentrierender Wissenschaftsdiskurs (Hall 1994: 68 ff. und 196 ff.): "Wie Saussure gezeigt hat, ist Sprache von Differenz abhängig, von der Struktur klar unterscheidbarer Aussagen, die ihre Ökonomie ausmacht" (Hall 1994: 75). Die hier dargestellten sprach- und sozialphilosophischen Beiträge machen deutlich, dass Sprache und Sprachverwendung als Voraussetzung von sozialem Handeln und von gruppenbezogener Interaktion (Gruppenbildung und Stiftung kollektiver Identi- täten) gelten können. Sprache als naturalistisches (Aristoteles) Symbolsystem, das eine dialogische Reflexion über die (eigene) kollektive Identität erst ermöglicht (Mead), ist unter anderem zum Zweck der sozialen Stigmatisierung (Goffman) verwendbar, weshalb Sprache potentiell alteritätsstiftend und identitätsschädigend wirken kann. Eine Festlegung auf einheitlich definierte Identitäts-/Alteritätskonzepte innerhalb einer Gruppe von Sprechern kann durch Sprachverwendung freilich nicht ohne weiteres erfolgen (Krappmann). Die Objektivierbarkeit von Identitäten bleibt letztlich auch dann strittig, wenn identitäre Zugehörigkeit sprachlich markiert wird (Habermas) und dadurch eine soziale, unter Umständen auf Differenzstiftung beruhende Posi- tionierung (Hall) des Sprechers nachvollziehbar wird. Diese Überlegungen auf sprachuniversaler Ebene dienen in der vorliegenden Arbeit als perspektivische Grundlage für die Erarbeitung konkreter sprachlicher Formen der Identitätskonstruktion. 2.4.3. Einzelsprache:...

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