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Naturwissen, Ästhetik und Religion in Bernardin de Saint-Pierres «Études de la nature»

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Torsten König

Bernardin de Saint-Pierres Études de la nature (1784) stellen den Versuch dar, die gesamte Natur und ihre Organisationsgesetze zu beschreiben. Dabei verknüpfen sie verschiedenste Bereiche des Wissens. Sie diskutieren naturphilosophische, theologische und ästhetische Fragen ebenso wie solche der Naturgeschichte. Diese Arbeit untersucht unter Einbeziehung diskursgeschichtlicher Kontexte die Verknüpfungen dieser Fragen durch den Text. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und dessen Artikulationsformen, insbesondere literarischer Ausdrucksweisen. Anhand von Bernardin de Saint-Pierres Naturstudien können damit exemplarisch Transferprozesse zwischen Wissensbereichen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts analysiert werden, die einerseits an der die Zeit charakterisierenden Ausdifferenzierung naturwissenschaftlicher Disziplinen beteiligt waren, andererseits an der Herausbildung einer modernen Naturästhetik. Mit Blick auf den Autor zeigt die Untersuchung der Études de la nature neue Verstehensmöglichkeiten für dessen erzählerisches Werk auf.

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Einleitung 15

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15 Einleitung 1. Problembeschreibung Jacques Henri Bernardin de Saint-Pierre wurde 1930 von dem Mediziner und Zoologen Louis Roule, Professor für Ichthyologie am Muséum National d’Histoire naturelle mit einer kleinen Studie in der Reihe „L’Histoire de la natu- re vivante d’après l’œuvre des grands naturalistes français“ als Naturforscher gewürdigt. Roule charakterisiert die Eigenheit von Bernardins Naturvision fol- gendermaßen: „Parmi les historiens du monde vivant, il occupe une place à part. […] A côté de l’investigation du Technicien, il a posé la sensation de l’Esthéticien.“1 Diese Bestimmung zielt vor allem auf die Études de la nature, mit denen Bernardin 1784 der Durchbruch als homme de lettres und umstrittener homme de science gelang. Die zwei Formen der Bezugnahme des erkennenden Subjekts auf die Objektwelt, deren Verbindung von Roule als konstituierend für diesen Text hervorgehoben wird – die wissenschaftlichen Untersuchungsverfah- ren des Fachspezialisten und die auf Empfindung gegründete Erfahrung des Äs- thetikers –, stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander. Aus dieser Span- nung erwächst vor dem Hintergrund der philosophischen und theologischen Di- mensionen der Études de la nature das Interesse, das die vorliegende Untersu- chung ihnen entgegenbringt. Die vierzehn, von Bernardin auf etwa eintausendvierhundert Duodezseiten vorgelegten „Studien zur Natur“ stellen den Versuch dar, eine Theorie des Uni- versums auf der Grundlage universeller Gesetze zu erstellen. Es liegt in der Na- tur dieses Vorhabens begründet, dass dabei viele Bereiche zeitgenössischen Wissens berührt und durch den Text zusammengebracht werden. Da der Autor eine enge...

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