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Naturwissen, Ästhetik und Religion in Bernardin de Saint-Pierres «Études de la nature»

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Torsten König

Bernardin de Saint-Pierres Études de la nature (1784) stellen den Versuch dar, die gesamte Natur und ihre Organisationsgesetze zu beschreiben. Dabei verknüpfen sie verschiedenste Bereiche des Wissens. Sie diskutieren naturphilosophische, theologische und ästhetische Fragen ebenso wie solche der Naturgeschichte. Diese Arbeit untersucht unter Einbeziehung diskursgeschichtlicher Kontexte die Verknüpfungen dieser Fragen durch den Text. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und dessen Artikulationsformen, insbesondere literarischer Ausdrucksweisen. Anhand von Bernardin de Saint-Pierres Naturstudien können damit exemplarisch Transferprozesse zwischen Wissensbereichen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts analysiert werden, die einerseits an der die Zeit charakterisierenden Ausdifferenzierung naturwissenschaftlicher Disziplinen beteiligt waren, andererseits an der Herausbildung einer modernen Naturästhetik. Mit Blick auf den Autor zeigt die Untersuchung der Études de la nature neue Verstehensmöglichkeiten für dessen erzählerisches Werk auf.

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VI. Rousseau 171

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171 VI. Rousseau Um Antworten auf die Frage nach der Stellung der Études de la nature im litera- rischen, ästhetischen und letztlich wissenschaftstheoretischen Kontext des 18. Jahrhunderts zu finden, erscheint zunächst das Verhältnis von Interesse, das sie zum Denken Jean-Jacques Rousseaus unterhalten. Dieses Interesse begründet sich neben vielen, ohne weitergehende Analyse schon offensichtlichen Berüh- rungspunkten zentraler Gedanken beider Autoren nicht zuletzt durch deren enge persönliche Beziehung in den Jahren der Textgenese. Bernardin hat sein Ver- hältnis zu Rousseau selber in einem schon erwähnten unvollendeten Fragment aus dem Winter 1778/1779 beschrieben, das von Louis Aimé-Martin postum 1818 im zwölften Band der Œuvres complètes unter dem Titel Essai sur Jean- Jacques Rousseau herausgegeben wurde.390 Es handelt sich um Erinnerungen an die Zeit von 1771 bis 1778, in der er Rousseau regelmäßig in Paris traf. Bernar- din schildert Begebenheiten aus dessen alltäglichem Leben, berichtet von ge- meinsamen Spaziergängen und gibt ihre Unterhaltungen wieder. Der Autor ent- wirft hier jenes Bild seiner Beziehung zu dem Genfer, das für die Nachwelt be- stimmend werden sollte. Er beschreibt zwar einerseits ein Verhältnis der Unter- ordnung zwischen ihm und dem fünfundzwanzig Jahre älteren Rousseau, betont aber andererseits, dass sie sich wie zwei Brüder gleichen in ihrer Begeisterung für die Natur, ihrem Hang zur Zurückgezogenheit, der Liebe zur Wahrheit, der Verachtung gesellschaftlicher Oberflächlichkeiten und der Ablehnung rationalis- tischer Philosophie. Erklärtes Ziel des Essai ist die Verteidigung und...

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