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Regimelegitimität und regionale Kooperation im Golf-Kooperationsrat (Gulf Cooperation Council)

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Leonie Holthaus

Der Golf-Kooperationsrat stellt die wohl erfolgreichste (sub-)regionale Organisation arabischer Staaten dar. Entgegen neorealistischen Erklärungsversuchen wird seine Entstehung in dieser Studie unter Hinzuziehung sozialkonstruktivistischer Erkenntnisse auf die Bedrohungsperzeption der verbleibenden monarchischen Regime aufgrund der iranischen Revolution zurückgeführt. Darüber hinaus werden die institutionellen Strukturen des Golf-Kooperationsrates sowie die initiierte Wirtschafts- und Sicherheitskooperation unter Berücksichtigung eines Zuwachses an Legitimierungsressourcen für die partizipierenden Regime analysiert. Bei der Betrachtung dieser (sub-)regionalen Dynamiken wie auch bei der Evaluation der interregionalen Beziehungen zwischen dem Golf-Kooperationsrat und der Europäischen Union wird dem Phänomen der Regimelegitimität über die interne Dimension in nationalen Kontext eine externe Dimension auf internationaler Ebene eingeräumt.

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4. Regimelegitimität und die Gründung des Golf-Kooperationsrates

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32 4. Regimelegitimität und die Gründung des Golf- Kooperationsrates Für die Gründung des GKR haben unterschiedliche Autoren verschiedene Ursa- chen identifiziert (vgl. Lawson, 1999: 7ff.). Nur zu häufig reflektiert der vertre- tene Erklärungszusammenhang die theoretischen Vorannahmen der Beobachter. Demzufolge spielt der Aspekt der Regimelegitimität bei vielen, besonders bei neorealistisch basierten Analysen, keine Rolle. Im Folgenden sollen zunächst zwei Lesarten des Gründungszusammenhanges des GKR vorgestellt werden. Beide werden im Laufe des Kapitels in Frage gestellt. Stattdessen wird gezeigt, dass die Errichtung und Zusammensetzung des GKR nur unter Einbezug der gemeinsamen Perzeption der politischen Eliten, hinsichtlich der Bedrohung der Regimelegitimität und Stabilität, plausibel begründet werden kann. Neorealistisch basierte Studien betonen die Bedeutung der zahlreichen Sicherheitsbedrohungen in der (anarchischen) Umwelt der Golfmonarchien zur Zeit der Gründung des GKR (1981) (vgl. Lawson, 1999: 8). Dazu zählen die Islamische Revolution im Iran (1979), der sowjetische Einmarsch in Afghanis- tan (1979) sowie der Ausbruch des Iran-Irak Krieges (1980) (vgl. Peterson, 1988: 179ff.). Die zentrale externe Bedrohung ging aus neorealistischer Sicht- weise allerdings von dem Iran aus. Dessen Hegemonialansprüche seien es gewe- sen, welche den Anschluss der kleineren arabischen Golfstaaten an Saudi- Arabien provoziert haben (vgl. Hurrel, 1995: 50). Folglich wird der GKR als Allianz verstanden, die lediglich gegründet wurde, um das Machtgleichgewicht gegenüber dem Iran wieder herzustellen (vgl. Cooper/Taylor, 2003: 107; Gariup, 2008: 81f.).43 Eine andere Lesart des Zusammenschlusses der Golfmonarchien lässt sich zumeist in der Sekund...

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