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Die Ästhetik des Stillstands

Anti-Entwicklungstexte im Literaturunterricht

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Markus Schwahl

Der Entschluss zum biographischen Stillstand ist ein literarischer Topos, der in Texten der Klassischen Moderne, aber auch in postmoderner Gegenwartsliteratur zu finden ist. Entwicklungsverweigerer wie Peter Pan oder Oskar Matzerath sind zu Ikonen der Literatur- und Filmgeschichte avanciert. Diese Studie formuliert wesentliche Gattungskriterien der Anti-Entwicklungsliteratur und entwirft eine Typologie der Verweigerung, indem sie die individuellen Motive der literarischen Entwicklungsverweigerer mit den gesellschaftlichen und ästhetischen Konzepten ihrer Entstehungszeit verknüpft. Der entwicklungspsychologische und literaturwissenschaftliche Ansatz der Studie wird ergänzt durch didaktische Überlegungen, die einem kompetenzorientierten und schülerzentrierten Unterricht verpflichtet sind. Methodische Hinweise, Unterrichtsprotokolle, Aufsatzbeispiele sowie ein umfangreicher Materialteil ermöglichen eine direkte Umsetzung des Modells im Literaturunterricht der Sekundarstufe II.

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2. Figuren der Entwicklungsverweigerung im Literaturunterricht –ein kompetenzorientiertes Unterrichtsmodell für die Sekundarstufe II

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23 2.1. Der romantische Typus: James M. Barrie, Peter Pan (Meisterleser-Methode) Wohl kein Entwicklungsverweigerer ist im kulturellen Gedächtnis der westlichen Welt so stark verankert wie Peter Pan, der Junge, der nie erwachsen werden wollte. Die Ur- aufführung des Bühnenstücks im Jahre 1904 geriet zu einem derart überwältigenden Erfolg, dass sein Autor, James Matthew Barrie, in den Folgejahren gleich zwei Buch- versionen (Peter and Wendy, 1911, Peter Pan and Wendy, 1915) nachlegen konnte. Ihre ganz besondere Wirkung entfaltete die Peter Pan-Geschichte jedoch stets auf der Bühne und, als Hollywood ihr kommerzielles Potential entdeckte, im Film: Das Büh- nenstück eroberte – mit Boris Karloff in der Rolle des schurkischen Piratenkapitäns Hook – 1950 den Broadway (Musik: Leonard Bernstein) und feierte 1982 in der In- szenierung der Londoner Royal Shakespeare Company einen seiner größten Triumphe. Nach einer ersten Leinwandadaption von Herbert Brenon (Peter Pan, 1924) trugen regelmäßige Verfilmungen, zuletzt die Hollywood-Blockbuster von Steven Spielberg (Hook, 1991) und P. J. Hogan (Peter Pan, 2003), zur medialen Ikonenbildung des Pe- ter Pan bei. Dass den meisten Menschen die Geschichte des kleinen Peter aus einer dieser Verfil- mungen oder aus irgendeiner Weihnachts- oder Schultheateraufführung geläufig ist, selten aber aus eigener Lektüre, hat seinen Grund: Die ungekürzte Buchversion dieser berühmten Geschichte ist nämlich eine für Leser jeglichen Alters mitunter schwer ver- dauliche Kost. Der Roman Peter Pan (PP) liest sich wie ein „merkwürdiger Misch- masch aus Sentimentalität, Snobismus, M...

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