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Sanatio in radice

Historie eines Rechtsinstituts und seine Beziehung zum sakramentalen Eheverständnis der katholischen Kirche

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Peter Fabritz

Kann man eine ungültige Ehe gültig machen? Ist Gültigkeit überhaupt ein Kriterium für die Ehe? Was sind die Voraussetzungen, um eine Ehe als gültig oder ungültig zu bezeichnen? Besitzt die Kirche eine rechtliche Gewalt über die Ehe, die es ihr erlaubt, eine Ehe als gültig oder ungültig zu klassifizieren? Die Ehe kommt zustande durch den Willen zur Ehe, den beiderseitigen Konsens der Partner. Keine Macht der Welt kann ihn auflösen. Der Konsens kann aber existent sein und dennoch ungültig, weil zum Zeitpunkt der Konsensabgabe ein Hindernis vorlag. Hier hat sich im 14. Jahrhundert ein Rechtsinstitut entwickelt, mit dem die Päpste ungültige Ehen Kraft apostolischer Autorität rückwirkend für gültig erklärt haben: Die sanatio in radice – die Heilung in der Wurzel. Die Arbeit versucht ausgehend vom römischen Recht über die Anfänge kirchlicher Ehedispens bis hin zur Gegenwart eine rechtshistorische Gesamtdarstellung der sanatio in radice vorzulegen.

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3. Kapitel: Die rechtliche Entwicklung der sanatio in radice vom II. Vatikanischen Konzil bis zur geltenden Rechtslage

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I. Vom II. Vatikanischen Konzil bis zum Codex Iuris Canonici 1983 1. Verlautbarungen Papst Pauls VI. über die Vollmachten der Bischöfe Das II. Vatikanische Konzil und in seiner Folge der Codex Iuris Canonici von 1983 hat keine Veränderungen in der Doktrin von der sanatio in radice vorge- nommen. Entscheidende Kompetenzverlagerungen finden sich aber in der Neu- regelung der Dispensvollmachten für die Bischöfe ausgehend vom Konzilsdek- ret Christus Dominus über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche. 1.1 Dispensvollmachten der Bischöfe im Konzilsdekret Christus Dominus Bereits die dogmatische Konstitution Lumen Gentium hat sich mit dem Bi- schofsamt innerhalb der hierarchischen Verfassung der Kirche befasst.736 Artikel 27 handelt über das Leitungsamt des Bischofs. Es wird betont, dass er trotz sei- ner Unterordnung unter den Bischof von Rom nicht Vertreter des Papstes ist, sondern seine Diözese in eigener Verantwortung leitet.737 Die im Dekret Christus Dominus738 veröffentlichten Ausführungen über die Bi- schöfe wurzeln im zu Beginn dargestellten Verständnis von der hierarchisch ver- fassten Kirche, die von Christus, dem Herrn, ausgeht. Der Papst, der Bischof von Rom, besitzt in dieser Kirche aufgrund göttlicher Einsetzung die höchste, volle, unmittelbare und universale Seelsorgsgewalt: In hac Christi Ecclesia, Romanus Pontifex, ut successor Petri, cui oves et agnos suos pascendos Chris- tus concredidit, suprema, plena, immediata et universali in curam animarum, ex 736 AAS 57 (1965), 5-75. 737 Ebd., Art. 27: "Ipsis munus pastorale seu habitualis et cotidiana cura ovium suarum plene committitur, neque vicarii Romanorum...

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