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«Nach Galizien»

Entwicklung der Reiseliteratur am Beispiel der deutschsprachigen Reiseberichte vom 18. bis zum 21. Jahrhundert

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Anna de Berg

Einen Ort kann man in Gedichten, Briefen, Autobiographien, Essays oder Romanen beschreiben, aber eine Gattung ist dafür besonders geeignet: der Reisebericht. Die Geschichte der Reisebeschreibung zeigt, wie die zentralen Kategorien dieses literarischen Genres sich konstituieren und wandeln: die Authentizität der Darstellung, die Wahrnehmung des Fremden und des Eigenen sowie die Erinnerung an den Ort und an die Geschichte, die mit ihm verbunden ist. Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Berichte über Galizien und analysiert die literarischen und sozialen Faktoren, die auf diese Kategorien einwirken und damit das Bild der ehemaligen habsburgischen Provinz prägen.

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2. Der Reisebericht als literarische Gattung 31

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31 2. Der Reisebericht als literarische Gattung Trotz zahlreicher Versuche können sich die Literaturwissenschaftler nicht einig werden, was man unter dem Begriff „Reiseliteratur“ verstehen soll.1 Die bestehen- den Definitionen und terminologischen, typologischen und systematisierenden Diskussionen geben ein relativ diffuses Bild der Gattung wieder. Die Feststellung, mit der Hermann Schlösser seine Studie über die etablierten literarischen Reisbe- richte des deutschsprachigen Raumes beginnt, fasst den Ertrag einer über zwan- zigjährigen Forschung folgendermaßen zusammen: „Eine Gattung ‚Reiseliteratur‘ gibt es nicht.“2 Diese Schlussfolgerung mag überspitzt sein – was im Übrigen auch aus Schlössers eigenen Ausführungen hervorgeht –, die Formulierung lässt immerhin die Komplexität und Verworrenheit der Lage erkennen. Wie komplex sie ist, soll im Folgenden kurz illustriert werden. Es gibt kaum eine literarische Gattung, die über so wenige kohärente Merkmale verfügt wie der Reisebericht. Je nach der Zeit, in der er entstanden ist, je nach dem Zweck der Entstehung und je nach der Person des Autors und ihrer gesellschaftlichen Stellung scheint der Reisebericht entweder eine wissenschaftli- che Reisebeschreibung oder eine halbfiktionale Beschreibung persönlicher Reise- erlebnisse zu sein. Wie unerschöpflich die Problematik ist, zeigen die seit über vierzig Jahren unternommenen Versuche, den Reisebericht zu klassifizieren und (auch) interdisziplinär zu erfassen. Einen guten Überblick über die wichtigsten Theorien bietet das monumen- tale Werk Peter J. Brenners, Der Reisebericht in der deutschen Literatur. Ein For- schungsüberblick als Vorstudie zu einer Gattungsgeschichte.3 Da aufgrund des thematischen Rahmens der vorliegenden Arbeit keine genauere Analyse der ein-...

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