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Zwangsheirat und Zwangsehe

Falllagen, rechtliche Beurteilung und Prävention

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Filiz Sütcü

Das Aufzeigen der verschiedenen Fallgruppen von Zwangsheirat, die Motive und die Abgrenzungsproblematik zu arrangierter Ehe sind wesentliche Themen dieser Arbeit. In der Mediengesellschaft wird das Problem der Zwangsverheiratung allzu oft als ein rein türkisch-muslimisches Problem gesehen und in den Kontext einer gescheiterten Integration gebracht. Von Parallelgesellschaften und entrechteten Frauen ist die Rede. Aber die Frage nach den eigentlichen Ursachen und Hintergründen wird nicht gestellt. Diese Studie gibt Antwort auf offene Fragen.

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H. Schlusswort 339

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339 H. Schlusswort In meiner bisherigen langjährigen Beobachtung habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie Zwangsverheiratung und Kindehe in der Praxis verhindert werden können. Auch heute weiß ich keine eindeutige Antwort. Das Wissen um die rechtli- chen Bedenken gegen die Zwangsverheiratung, die Kind-Heirat, und auch die Diskussion um die Schaffung eines eigenen Straftatbestandes, so sehr ich diese begrüße, werden das Problem um das fehlende selbstbestimmte Leben der Frauen und Mädchen in den Familien mit traditionellen Vorstellungen nicht beseitigen. Ein eigener Straftatbestand könnte Signalwirkung haben, aber nur, wenn es zu einer Strafanzeige kommt. Bis dahin ist es aber ein langer Weg. Zuerst muss den Frauen, die Opfer von Zwangsheirat geworden oder von einer unmittelbar anste- henden Zwangsheirat bedroht sind, das Selbstbewusstsein gegeben werden. Die- ses muss derart ausgestaltet sein, dass die Frauen es schaffen, wenn es notwendig ist, sich von ihren Familien zu distanzieren, ohne Schuldgefühle zu haben. Eine räumliche Distanzierung wird zu Beginn eines solchen Ablösungsprozesses nicht zu vermeiden sein, da in der Regel davon auszugehen ist, dass die Eltern zu kei- nem Dialog bereit sein dürften. Neben der Schaffung sozialer Einrichtungen für die Opfer, muss bei der För- derung der Bildung für alle MigrantInnen aus bildungsschwachen Familien ange- setzt werden. Je höher das Bildungsniveau einer jungen Frau, umso größer ihr Selbstbe- wusstsein. Je länger die Bildung, sei es Schul-, Berufs- oder Hochschulbildung, umso älter werden die Frauen bis zu ihrer Heirat und...

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