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«Wir lebten mitten im Tod.»

Das «Sonderkommando» in Auschwitz in schriftlichen und mündlichen Häftlingserinnerungen

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Sonja Knopp

Wer kann uns von der Shoah an ihrem dichtesten Punkt, den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau, berichten und ein Bild darüber vermitteln, wie Millionen Menschen starben? Die Häftlinge des «Sonderkommandos» arbeiteten in den Gaskammern und Krematorien von Auschwitz-Birkenau, wo sie hunderttausende Leichen aus den Gaskammern räumten und verbrannten. Tagebücher und spätere Interviewaussagen ehemaliger Häftlinge bieten Einblicke in das Leben und Überleben im Kern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Die Untersuchung zeigt, wie sich die Lebens- und Handlungsbedingungen im Lager auf die Mitglieder des «Sonderkommandos» auswirkten. Dabei zeichnen die Zeugnisse ein Bild zersetzender Ohnmacht und Überzähligkeit, verdeutlichen aber auch Überlebensstrategien einzelner Häftlinge.

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B GRUNDLAGEN: UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND, QUELLEN, UNTERSUCHUNGSMETHODE 5

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5 B GRUNDLAGEN: UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND, QUELLEN, UNTERSUCHUNGSMETHODE B.I DIE „SONDERKOMMANDOS“ IN AUSCHWITZ-BIRKENAU 1942 BIS 1945 – EIN ÜBERBLICK Das „Sonderkommando“ im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau existier- te von Mai 1942 bis Januar 1945. Dabei handelte es sich um eine Arbeitseinheit, die von der SS aus männlichen, überwiegend jüdischen Häftlingen zusammengesetzt wurde. Die Einsatzorte der Sonderkommandohäftlinge waren die Gaskammern und Krematorien von Auschwitz-Birkenau. Das „Sonderkommando“ war zwischen 100 und 900 Mann stark. Das durchschnittliche Alter betrug 27 Jahre. Insgesamt arbeiteten von 1942 bis 1945 über 2100 Männer in diesem Kommando; etwa 110 überlebten.8 Das „Sonderkommando“ wurde von der SS auf den jeweiligen Ar- beitskräftebedarf durch Massenexekutionen reduziert oder durch Selektionen aus den ankommenden Transporten ausgeweitet. Die Sonderkommandohäftlinge wa- ren unterschiedlicher Herkunft und Sprache. Es waren fast ausnahmslos Juden aus Holland, Frankreich, der Slowakei, Polen, Griechenland, Ungarn und Deutschland. Vereinzelt gab es nicht-jüdische polnische oder deutsche Kapos9. Aus Majdanek kamen am 16. April 1944 neunzehn russische Kriegsgefangene und deren deutscher Kapo hinzu. Jedoch gehörten sie nur relativ kurze Zeit zum „Sonderkommando“.10 Die Männer wurden meist direkt aus den RSHA-Transporten11 dem „Sonderkom- mando“ zugeteilt und lebten von da an isoliert von den anderen Häftlingen des La- gers in den Blöcken 11 und 13 des Lagerabschnitts B IId, seit Mai 1944 größtenteils im Auskleideraum von Krematorium III und im Dachgeschoss der Krematorien I und II.12 Von Mai 1942 bis Mai 1943 arbeitete das „Sonderkommando“ an den 8 Vgl. Israel Gutman (Hrsg.), Enzyklopädie des...

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