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«Wir lebten mitten im Tod.»

Das «Sonderkommando» in Auschwitz in schriftlichen und mündlichen Häftlingserinnerungen

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Sonja Knopp

Wer kann uns von der Shoah an ihrem dichtesten Punkt, den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau, berichten und ein Bild darüber vermitteln, wie Millionen Menschen starben? Die Häftlinge des «Sonderkommandos» arbeiteten in den Gaskammern und Krematorien von Auschwitz-Birkenau, wo sie hunderttausende Leichen aus den Gaskammern räumten und verbrannten. Tagebücher und spätere Interviewaussagen ehemaliger Häftlinge bieten Einblicke in das Leben und Überleben im Kern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Die Untersuchung zeigt, wie sich die Lebens- und Handlungsbedingungen im Lager auf die Mitglieder des «Sonderkommandos» auswirkten. Dabei zeichnen die Zeugnisse ein Bild zersetzender Ohnmacht und Überzähligkeit, verdeutlichen aber auch Überlebensstrategien einzelner Häftlinge.

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C DAS „SONDERKOMMANDO“ IN AUSCHWITZ AUS SICHT DER HÄFTLINGE 31

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31 C DAS „SONDERKOMMANDO“ IN AUSCHWITZ AUS SICHT DER HÄFTLINGE C.I DOMINANTE STRUKTUREN UND EINFLÜSSE IM LEBEN DER SONDERKOMMANDOHÄFTLINGE 1 Formalisierung und Ordnung Hinsichtlich der äußeren Ordnungsverhältnisse in den Lagerbereichen der „Sonderkommandos“ wurden die Lebensbedingungen der Häftlinge vor allem durch diverse Arten von Formalisierung beeinflusst. Die Lagermacht steuerte den Alltag der Gefangenen durch Organisation ihres Umfelds, ihrer sozialen Beziehun- gen und ihrer zeitlichen und räumlichen Wahrnehmung. a) Soziale Abgrenzung nach außen: Zugang, Zuteilung zum „Sonderkommando“, Etikettierung Am Tag seiner Ankunft musste sich jeder Häftling einer Aufnah- meprozedur unterziehen, die ihm seine bisherige Identität entzog und ihn in die Machtstrukturen des Lagers eingliederte. Als erstes wurden die Ankommenden am ganzen Körper rasiert, wodurch das Erscheinungs- bild der vielen Tausend Häftlinge einander angeglichen wurde.130 Mit der Rasur verfolgte die SS nicht nur entindividualisierende und hygienische Absichten, sie zielte auf systematische Demütigung und Erniedrigung der Gefangenen.131 Der Verlust der Identität setzte sich mit dem Eintä- towieren von Häftlingsnummern fort. „Diese Nummer machte man mir sofort nach der Ankunft: man brachte uns in die Waschräume, rasierte die Haare ab, nahm ans alle Kleider weg, gab uns Gefangenenklei- der und tätowierte die Nummern. Einer war dort mit Bleistift und glühender Nadel, der tätowierte jedem seine Nummer ein: fünf Punkte, fünf Striche, und das Blut kam heraus. 130 „Morgens holte man uns in die ‚Sauna’ zum Duschen, rasierte die Haare ab und gab uns...

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