Show Less

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker

Vom umstrittenen Prinzip zum vieldeutigen Recht?

Series:

Edited By Peter Hilpold

Der Ruf nach Selbstbestimmung hat die völkerrechtliche Diskussion des 20. Jahrhunderts geprägt. Das Selbstbestimmungskonzept bleibt aber auch im 21. Jahrhundert aktuell, ja es ist aktueller denn je. Weltweit werden unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht Staatsgrenzen und ganze Staatswesen in Frage gestellt. Zahlreiche Völker rechtfertigen damit ihr Streben nach Eigenstaatlichkeit. Wie weit reicht nun dieser Anspruch nach geltendem Völkerrecht? Wer ist überhaupt Träger dieses Rechts? Auf diese und zahlreiche andere Fragestellungen rund um das Selbstbestimmungsrecht der Völker wird in diesem Band eingegangen, der Ergebnis einer internationalen Tagung auf Schloss Sigmundskron bei Bozen ist. In diesem Buch wird insbesondere aufgezeigt, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker zahlreiche Nuancen aufweist und differenziert eingesetzt auch eine beachtliche friedenssichernde Wirkung entfalten kann.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Ethnischer Selbstbestimmungsanspruch contra demokratisches Selbstbestimmungsrecht

Extract

Samuel Salzborn, Universität Gießen Die österreichische und die deutsche Debatte um ein internationales Selbstbestimmungsrecht ist seit Jahrzehnten mitgeprägt von einem rechtstheoretischen Konzept, in dessen Zentrum nicht die Begriffe Nation und Minderheit, sondern Volk und Volksgruppe stehen. Die po- litische Perspektive gilt in diesem Blickwinkel nicht dem (bürgerlich- demokratischen) Subjekt Nation, sondern dem (völkischen) Subjekt Volk und markiert damit – wie Martin Broszat treffend analysiert hat – eine „innere Abwendung“ vom „westlichen, durch die Französische Revolution geprägten demokratisch-liberalen Begriff ‚Nation’“.1 Der Begriff der Minderheit verweist soziologisch auf einen demo- kratischen Kontext, da je nach historischer und politischer Situation Minderheiten temporär entstehen, sich wandeln und auch wieder ver- gehen. Wer beispielsweise als Anhänger/in einer politischen Partei bei einer Wahl gegenüber den konkurrierenden anderen Parteien verlieren und damit Teil einer Minderheit sein mag, kann zugleich aufgrund ande- rer Kriterien – wie beispielsweise seinem/ihrem biologischen Ge- schlecht oder seiner/ihrer musikalischen Vorlieben – auch zur Mehrheit eines politischen und gesellschaftlichen Systems gehören. Da sich poli- tische und kulturelle Präferenzen stets ändern (können), hat der Minder- heitenbegriff sowohl einen relativen wie auch einen dynamischen Charakter, da er auf das individuelle Bekenntnis des einzelnen Men- schen abstellt, das jederzeit wandel- und veränderbar ist und – unter Einbezug seiner genuin demokratischen Implementierung – die Mög- lichkeit zum Hin- und Herchangieren zwischen Minderheits- und Mehrheitsrelationen ermöglicht. Der politische Wille als die subjektiv freie Entscheidung für oder gegen etwas ist somit charakteristisch für 1 Vgl. Martin Broszat:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.