Show Less

Das moralische Risiko der GKV im Spannungsfeld zwischen Solidarität und Eigenverantwortung

Series:

Sven Wolf

Die gesetzliche Krankenversicherung ist aufgrund ihrer Konzeption als Vollkaskoversicherung auf die wechselseitigen Verpflichtungen zwischen dem einzelnen Versicherten und der Solidargemeinschaft angewiesen. Für die unbedingte Einstandspflicht der Versichertengemeinschaft muss der Einzelne seiner Eigenverantwortung gerecht werden, um Leistungsfälle möglichst zu vermeiden. Die Arbeit untersucht in zwei Stufen zunächst die normativen Vorkommen der Solidarität und Eigenverantwortung auf ihre Tauglichkeit in der Verhaltenssteuerung. Zweitens wird beispielhaft für vier moralische Risiken erarbeitet, ob und unter welchen Voraussetzungen von dem Regress nach § 52 SGB V Gebrauch gemacht werden kann. Im Ergebnis wird dies nur für die Krankheitszuziehung durch Ausübung von Risikosportarten bejaht.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

5. Kapitel Zusammenfassung der Ergebnisse 275

Extract

5. Kapitel: Zusammenfassung der Ergebnisse Nach den Erkenntnissen zum Vorkommen des moralischen Risikos in der Privatversicherung sollte diese Verhaltenserscheinung in der gesetzlichen Krankenversicherung eigentlich nicht vorkommen. Für die Rentenversiche- rung des SGB VI mag es hinsichtlich der Attraktivität des Vorruhestandes lukrativ sein, den Versicherungsfall zu modellieren. Selbiges gilt für die Arbeitslosenversicherung des SGB III, wo der Bezug von Arbeitslosengeld mitunter im Interesse von Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist, um Brücken zum Ruhestand zu bauen. Im SGB V kann diese verlockende Verhaltensma- xime nicht uneingeschränkt gelten. So erscheint es irrational, leichtfertig oder gar mutwillig Risiken für die eigene Gesundheit in Kauf zu nehmen, also einen Versicherungsfall heraufzubeschwören. Denn in den seltensten Fällen stellt die nachträgliche medizinische Wiederherstellung der Gesundheit eine gleichwertige Alternative zum primären Gesundheitsschutz dar. Danach wäre das Problem des moralischen Risikos in der GKV keins. A. Solidarität als Nährboden moralischen Fehlverhaltens Tatsächlich ist die GKV wie jede andere Vollkaskoversicherung für eine Mitnahmementalität anfällig. Die GKV kann ihren Versicherungscharakter nicht abstreifen und unterliegt deshalb denselben Spannungen wie eine Pri- vatversicherung. Gegenteilig wird in der GKV durch die solidarische Ausges- taltung der allgemeine Versicherungseffekt des moralischen Risikos noch verstärkt. Die Untersuchung der Ausprägung solidarischer Komponenten hat gezeigt, dass in erster Linie die Beitragsbemessung nach dem Leistungsprin- zip946 und das Final- statt dem Kausalprinzip947 zwar der historischen Verwur- zelung einer Vollversicherung für die niedrigeren Einkommensschichten entsprechen, zugleich indessen leichtfertiges Anspruchsdenken begünstigen. In...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.