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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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8 Das Hoferbild in der Zwischenkriegszeit

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8.1 Die fortschreitende Bestätigung des Mythos nach Sinnbedürfnissen Am Ende des Ersten Weltkrieges kam es zum Zusammenbruch der Habsburg- monarchie. Am 12. November 1918 wurde unter turbulentesten Umständen die Republik Deutschösterreich ausgerufen. Österreich schrumpfte vom Kern eines Großreichs zu einem eigenständigen Kleinstaat von äußerst schwacher Struktur. Seine Bürger glaubten nicht an ein Überleben dieses Systems und die beiden großen Parteien (Christlichsozialen und Sozialdemokraten) erwiesen sich einer Zusammenarbeit unfähig. Undemokratische Ideen erfreuten sich auch in Öster- reich höchster Popularität und fanden letztlich im Austrofaschismus ihre Erfül- lung.387 Die deutschnationale Bewegung erlebte unter diesen Zeitumständen er- neut großen Anklang. Viele Österreicher sahen ihr „Heil“ in einem Anschluss an das Deutsche Reich. Vor allem in Tirol war im Kampf um die Wiedererlangung eines vereinten Nord- und Südtirol die Befürwortung einer Union mit Deutsch- land enorm.388 „In den Statuten heimattreuer Verbände wurde der Sandwirt Ho- fer nun zum ’Schutzherren’ des verlorenen Südtirol [sic!].“389 Österreich hatte im Frieden von St. Germain-en-Laye (10. September 1919) die Tiroler Gebiete südlich des Brenners an Italien verloren.390 Wiederanschlusspläne der Deutsch- österreicher scheiterten am Widerstand der Alliierten, was wiederum maßgeb- lich zum Widererstarken des großdeutschen Nationalismus in Österreich beitrug. Erneut blieb „Anno Neun“ von diesen Zeitumständen nicht unberührt und es kam zu einer frischen Institutionalisierung des Mythos. Das Geschichtsbild aus dem 19. Jahrhundert fand nach dem Ersten Weltkrieg keinen breiten Anklang mehr. Dies erm...

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