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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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10 Der Mythos „Anno Neun“ nach 1945

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10.1 Die Nachkriegsjahre Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zur Besetzung Österreichs und Tirols durch alliierte Truppen. Die Südtiroler Region wurde dabei auch von anti- faschistischen italienischen Kampfverbänden okkupiert. Am 3.Mai 1945 kam es zur Ablehnung eines österreichischen Antrags durch die vier alliierten Besat- zungsmächte, der eine Volksabstimmung über den Verbleib von Südtirol for- cierte. Ebenso wurde im selben Jahr die Wiener Forderung einer territorialen Berichtigung an der Südgrenze Tirols abgelehnt. Damit war der Verbleib von Südtirol und dem Trentino bei Italien erneut politische Realität. Im Gegensatz zu den Jahren nach 1918 begann nach 1945 infolge der diplomatischen Beziehun- gen zweier demokratischer Staaten, die wiederum im Laufe der Zeit fester Be- standteil eines europäischen Staatengefüges wurden, ein beschwerlicher Annä- herungsprozess zwischen Italienern, Süd- und Nordtirolern. Das Gruber-De- Gasperi-Abkommen (Pariser Abkommen) vom 5.September 1946 mit seinen weitläufigen Autonomierechten für die deutschsprachigen Südtiroler, der italie- nischen Anerkennung Österreichs als Schutzmacht, aber damit auch die staatli- che Akzeptanz des Verlusts Südtirols an Italien zeugen für diese Entwicklung. Diese Annäherung war gezeichnet von Höhen und Tiefen. 488 So betrieb Italien unterschwellig eine Italienisierung der Südtiroler Gebiete. Die deutschsprachi- gen Südtiroler protestierten wiederum gegen eine „Überfremdung“ ihrer Heimat und für einen Wiederanschluß an Nordtirol. In den 1960er Jahren kulminierten diese Spannungen nach einem Scheitern der Verhandlungen vor der UN in einer ersten Reihe von Sprengstoffanschlägen durch italienische Nationalisten und extreme S...

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