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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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7.2.1 Langfristige Funktionalisierung durch konservativ-klerikale Eliten 96

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96 Die Rezeption der Tiroler Erhebung bis zum Jahr 1918 tierte.324 So kam es auch zum Versuch, ausgerechnet das religiös gezeichnete „Anno Neun“ als „Los von Rom“–Bewegung darzustellen. Dieser Versuch einer alldeutschen Gruppe und ihrer Zeitung „Der Scherer“ war jedoch aus nachvoll- ziehbaren Gründen zum scheitern verurteilt.325 Die Wiener Regierung wurde in diesen Jahren endgültig zum Träger des populären Tiroler Hofer-Bildes und stellte seine Person zum Zwecke des eigenen Nutzens in Dienste eines National- helden. So reiste Kaiser Franz Joseph im Jahre 1893 persönlich zur Einweihung des Hofer-Denkmals am Bergisel.326 Erneut wird diese Hinwendung des Staates bei der Jahrhundertfeier im Jahre 1909 deutlich, an der sich mehrere hohe und höchste Vertreter des Staates aus Politik, Militär und Kirche beteiligten. Der Kulturkampf hatte sein Ende gefunden, der vaterländische Gedanke sowie die Stärkung des Staates und des Militärs zur Durchsetzung innen- und außenpoliti- scher Machtinteressen standen im Vordergrund. Hofer wurde hierbei in höchstem Maße zur Verkörperung des Leitspruches „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ als staatlicher Held etabliert, der Mythos „Anno Neun“ massiv gefördert. Dabei gilt es festzuhalten, dass neben Habsburg und dem katholischen Klerus v.a. das österreichische Militär, die nationalen Intellek- tuellen in Deutschland und die Tiroler Bevölkerung das “Rückrat“ der Hofer- Rezeption im deutschsprachigen Raum darstellten. Somit verschob sich insge- samt der Betonungsschwerpunkt der Thematik bis 1914 weg von den religiösen Eigenschaften, hin zu ihren patriotischen Charakter. Nach Cole...

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