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Der Stromgroßhandel in Deutschland

Die Anwendung des Wertpapierhandelsgesetzes auf den deutschen Stromgroßhandel zur Stärkung der Marktintegrität

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Markus Wiesner

Der deutsche Strommarkt war in der Vergangenheit immer wieder dem Vorwurf der Manipulation ausgesetzt. Diese Arbeit will zeigen, inwieweit Insiderhandel und Marktmanipulation insbesondere an der Strombörse möglich sind und mit welchen Mitteln man diese verhindern kann. Dabei wird aber auch der außerbörsliche Markt einbezogen, da die Warenderivatmärkte gegenüber den eigentlichen Wertpapiergeschäften verschiedene Besonderheiten aufweisen. Der Autor zeigt, dass es gerade bei Stromderivaten möglich ist, auf dem außerbörslichen Markt Einfluss auf die Strombörse zu nehmen und umgekehrt. Ebenso besteht eine noch engere Verknüpfung zwischen den Derivaten und den physischen Stromgeschäften, als dies bei Wertpapieren der Fall ist. Dadurch greifen die im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) geregelten Instrumente zur Steigerung der Marktintegrität nicht an allen Warenmärkten.

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KAPITEL 1 EINFÜHRUNG

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A) KALIFORNISCHE ENERGIEKRISE- Enron soll Stromausfälle fingiert haben1 Der Handel an Börsen ist seit langer Zeit weltweit Gegenstand der staatlichen Regulierungsbemühungen. Seit wenigen Jahrzehnten bemühen sich die Gesetz- geber auch den Handel außerhalb der Börsen zu regulieren. Allgemeine Verhal- tenspflichten, die sowohl an der Börse als auch im außerbörslichen Handel gel- ten, sind in Deutschland im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG)2 normiert. Aber nicht alle Güter, die auch an einer Börse gehandelt werden, wurden in die neuen Verhaltenspflichten einbezogen. In Deutschland etwa beschränkte sich der Ge- setzgeber anfangs nur auf den Handel mit Wertpapieren und Finanzderivaten.3 Seit einigen Jahren bemühen sich die europäischen und nationalen Gesetz- geber aber auch andere Märkte, insbesondere den Strommarkt in diese Verhal- tenspflichten einzubeziehen. Hintergrund dieser Ausweitung des Anwendungs- bereiches war unter anderem der Skandal um den US-amerikanischen Enron Konzern, der 2001 und 2002 auch in Europa eine schwere Wirtschaftskrise ein- läutete. Enron war ursprünglich ein texanisches Energieversorgungsunterneh- men. Nach einer beispiellosen Deregulierung der Energiewirtschaft in den USA profilierte sich Enron als weltgrößter Handelsplatz für Energie. Der Konzern stieg sogar zum drittgrößten Unternehmen der USA auf. Allerdings konnte En- ron die Marktführung nur mit einer Reihe illegaler Geschäfte behaupten.4 In ers- ter Linie bestanden die Betrügereien aus Scheingeschäften mit Tochterunter- nehmen, wodurch die Verluste des Mutterunternehmens bilanziell verschleiert werden konnten.5 Der Enron-Konzern nutzte teilweise legale, teilweise illegale Schlupflöcher, welche ihm die US-GAAP...

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