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Der Stromgroßhandel in Deutschland

Die Anwendung des Wertpapierhandelsgesetzes auf den deutschen Stromgroßhandel zur Stärkung der Marktintegrität

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Markus Wiesner

Der deutsche Strommarkt war in der Vergangenheit immer wieder dem Vorwurf der Manipulation ausgesetzt. Diese Arbeit will zeigen, inwieweit Insiderhandel und Marktmanipulation insbesondere an der Strombörse möglich sind und mit welchen Mitteln man diese verhindern kann. Dabei wird aber auch der außerbörsliche Markt einbezogen, da die Warenderivatmärkte gegenüber den eigentlichen Wertpapiergeschäften verschiedene Besonderheiten aufweisen. Der Autor zeigt, dass es gerade bei Stromderivaten möglich ist, auf dem außerbörslichen Markt Einfluss auf die Strombörse zu nehmen und umgekehrt. Ebenso besteht eine noch engere Verknüpfung zwischen den Derivaten und den physischen Stromgeschäften, als dies bei Wertpapieren der Fall ist. Dadurch greifen die im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) geregelten Instrumente zur Steigerung der Marktintegrität nicht an allen Warenmärkten.

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G) Der Markt für die Ware Strom 51

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51 gig sinken. Umgekehrt wirkt sich der Ausfall von Erzeugungsanlagen direkt auf den Strompreis aus, da sich das Angebot unmittelbar verknappt. Zwar sind die Erzeuger verpflichtet bis zu einem gewissen Maß Erzeugungsreserven vorzuhal- ten, diese Reserven können aber nur eine bestimmte Zeitspanne überbrücken. Außerdem ist die Inanspruchnahme der Reserven mit weiteren Kosten verbun- den.173 Wegen der Nicht-Speicherbarkeit von Strom gibt es nicht die für Wa- renmärkte typischen Interdependenzen zwischen Spot- und Terminmärkten und deren Preisen. Der börsliche Handel hat daher eine initiale und ganz wesentliche Rolle im Stromgroßhandel.174 Die Nicht-Speicherbarkeit in Verbindung mit der Leitungsgebundenheit175 führt auch dazu, dass der Handel nur dann sinnvoll stattfinden kann, wenn auch eine Übertragung vom Verkäufer zum Käufer si- chergestellt ist. Die EEX erstellt dafür täglich „Fahrpläne“, nach denen der Strom verteilt wird.176 G) Der Markt für die Ware Strom Ziel des physischen Handels ist die Optimierung der Beschaffung und die Ver- marktung der eigenen Kapazitäten.177 Erzeuger können Strom zu wettbewerbsfä- higen Preisen anbieten. Verbraucher können zeitnah und individuell die Be- schaffung an ihren Bedarf anpassen. Dazu werden langfristige Bezugsverträge über eine Grundlast ausgehandelt und Abweichungen von dieser Grundlast kurz- fristig am Spotmarkt ausgeglichen. Dieser Ausgleich ist in beide Richtungen möglich. Hat ein Energieversorgungsunternehmen für einen bestimmten Tag zu wenig Strom gekauft, kann es weitere Kapazitäten erwerben. Hat es für einen anderen Tag dagegen zuviel gekauft, kann es den übersch...

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