Show Less

Ratingagenturen in der Krise

Über die Einführung von Qualitätsstandards für Ratings durch die Europäische Union

Series:

Patrick Andrieu

Niemals zuvor war die Kritik an den Ratingagenturen größer als in jüngerer Vergangenheit. Durch spektakuläre Fehlbewertungen im Bereich der strukturierten Finanzmarktprodukte tragen die Agenturen einen erheblichen Anteil an der Krise an den internationalen Finanzmärkten. Als Reaktion auf die mangelnde Qualität der von den Agenturen vergebenen Ratings wurden Rufe nach einer Regulierung immer lauter. Eine aufsichtsbehördliche Regulierung schien daher unausweichlich, so dass die Europäische Union 2009 eine Verordnung über Ratingagenturen als Antwort auf all die aufgeworfene Kritik verabschiedete. Die Arbeit setzt sich mit den von der EU verabschiedeten Maßnahmen auseinander und geht zudem der Frage nach, ob diese in der Lage sind, den Qualitätsstandard von Ratings zu sichern und somit das Vertrauen in die Agenturen wieder herzustellen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3 Bestehender Rechtsrahmen für Ratingagenturen 44

Extract

44 3 Bestehender Rechtsrahmen für Ratingagenturen 3.1 Gemeinschaftsrecht Während in den Vereinigten Staaten Ratingagenturen einem normati- ven Regelwerk unterstehen, gibt es in der EU bislang keinen, direkt auf die Aktivitäten der Agenturen ausgelegten Rechtsrahmen.249 Ebenso wenig ha- ben die meisten Mitgliedstaaten für die Tätigkeit von Ratingagenturen und die Abgabe von Ratings Rechtsvorschriften erlassen.250 Ratingagenturen fallen auch nur begrenzt unter Gemeinschaftsvorschriften, namentlich die Regelwerke bezüglich des Marktmissbrauches, der Eigenkapitalausstattung sowie der Märkte für Finanzinstrumente. 3.1.1 Marktmissbrauchrichtlinie Die RL 2003/6/EG251 zusammen mit der RL 2003/125/EG schafft ei- nen durchaus umfangreichen Rechtsrahmen für Ratingagenturen, während gleichzeitig aber ihre besondere Rolle und der Unterschied zwischen einem Rating und einer Anlageberatung gewürdigt werden.252 Die in der RL 2003/6/EG enthaltenen Vorschriften zur Bekämpfung von Insider-Geschäften haben ebenso wie die Vorschriften zur Bekämpfung von Marktmanipulation das Ziel, die Integrität der Finanzmärkte der Ge- meinschaft sicherzustellen und das Vertrauen der Anleger in diese Märkte zu stärken.253 So ist der Tatbestand der Marktmanipulation im Anwendungsbereich der RL 2003/6/EG, bspw als die „Verbreitung von Informationen über die Medien einschließlich Internet oder auf anderem Wege, die falsche oder irreführende Signale in Bezug auf Finanzinstrumente geben oder geben könnten, ua durch Verbreitung von Gerüchten sowie falscher oder irrefüh- render Nachrichten, wenn die Person, die diese Informationen verbreitet hat, wusste oder hätte wissen müssen, dass sie falsch oder irreführend waren“254 definiert. In Fällen, in denen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.