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Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

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3. Die Geschichte des Flamenco

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3.1 Die vorflamenkische Zeit und die Entstehung des Flamenco Der erste Abschnitt kann als "präflamenkische Zeit" betrachtet werden, von dem Ende des 18. Jahrhunderts bis etwa 1860. "Die Mehrheit der andalusischen Bevölkerung führte eine elende, pariahafte Existenz, wogegen sich der Reichtum in den Händen einer absoluten und allmächtigen Minderheit von Aristokraten, Klerikern und Handelskapitalisten konzentrierte."80 Eine allgemeine Landflucht ließ in den Vorstädten die Bettelei und die Delinquenz anschwellen. In den westandalusischen Städten, Ausgangspunkt des Handels mit Übersee, vermischten sich diese Landflüchtigen mit anderen sozialen Rand- schichten: Zigeunern, im Lande gebliebenen Mauren, Abenteurern und Glücksrittern aus anderen europäischen, aus afrikanischen und südamerikanischen Ländern. Das Dilemma dieser Menschen drückt folgende Flamencostrophe aus: Al que mendiga lo encierran y meten preso al ladrón, el que no pide ni roba muere de hambre en un rincón. OrB 253 Steingress erklärt die Entstehung des Flamenco als Ergebnis dieser sich neu bildenden urbanen Unterschicht, die nach einer neuen Identität und dafür entsprechenden neuen Ausdrucksformen suchte81. "Steinbruch" waren dafür die traditionellen ländlichen Lieder. Diese wurden von den Landflüchtigen bzw. den Zigeunern, die durch ihre Marginalität alte Bräuche und Lieder länger konserviert hatten als die städtische Bevölkerung, mitgebracht. Da die Lieder in den Städten inzwischen vergessen worden waren, wurden sie als etwas Neues betrachtet. Unter den diversen Einflüssen der urbanen Zentren veränderten sich diese, wurden rauer und aggressiver....

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