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Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

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5.2.6 Die Frau als Teufel 268

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268 5.2.6 Die Frau als Teufel.615 In den schriftlichen Sammlungen der Flamencolieder finden sich, auf vier Zeilen zusammengeschrumpft, Teile, die einwandfrei aus den alten romances stammen. Zum Beispiel ist ein Text überkommen, der ohne seinen Zusammenhang freilich kleineren Veränderungen unterworfen wird: Tú eres el diablo, romera, que me viene a tentar. No soy el diablo, romera, que soy tu mujer natural.616 Die zweite Anrede "romera" ergibt keinen Sinn.617 Es handelt sich um die Schlüsselszene aus dem "Romance del Conde Sol", der auch unter dem Namen "La condesita" in ganz Spanien bekannt war. Ramón Menéndez Pidal hat den Variationen dieses romance einen ganzen Band gewidmet618. Der Zusammenhang sei hier kurz skizziert: Der Conde del Sol ist in den Krieg gezogen; seine junge Frau macht sich nach zehn Jahren auf den Weg, ihn zu suchen. Als Bettlerin verkleidet findet sie ihn an dem Tag, an dem er sich neu verheiraten will. Sie schmäht den Conde wegen seines zu kleinen Almosens, worauf der oben angegebene Dialog erfolgt, allerdings mit dem Unterschied, dass die zweite Anrede folgerichtig statt "romera" "conde"619 heißt. (In anderen Variationen ist die Braut die Dialogpartnerin, die über das Scheitern 614 Bei nur einem einzigen Text wendet sich der Mann offensichtlich an einen Hexer mit der Bitte um ein Zaubermittel: "Dígame usted, tío Gregorio/ qué le hago a esta gitana/ pa´que me tome por novio." OrB II, 100. 615 Bei den Sprichwörtern scheint keine Hemmung zu bestehen, den Teufel beim...

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