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Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

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Conclusio 297

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297 Conclusio In zweierlei Hinsicht ist die Frau in den Flamencotexten ausgeklammert: in der praktischen sowie in der literarisch-produktiven. Die Frauen waren zuerst als Tänzerinnen im Flamenco aktiv, sie blieben, textlich gesehen, stumm. Wenn sie auf der Bühne sangen, war es für die Tanzbegleitung und wurde nicht weiter beachtet. Dadurch haben sich einige wenige alte Texte erhalten, unter diesen ist nur ein geringer Anteil Frauentexte. Als Frauen später während der Zeit der cafés cantantes als Solo- Sängerinnen auftraten, war durch die äußeren Gegebenheiten der Rahmen bereits abgesteckt: die Gesänge waren für die Bühne und für ein männliches Publikum bestimmt. Frauenthemen waren dort nicht an- gebracht. Die Möglichkeit für Frauen, Texte (in diesem Fall: Frauentexte) durch den Druck publik zu machen, schied ebenfalls aus zwei Gründen aus: erstens wurden Texte von Frauen prinzipiell nicht gedruckt Ŕ sogar Frauen aus höheren Schichten hatten damit Probleme - , zweitens kamen die Frauen (wie die Flamenco-Männer auch) aus den untersten Schichten, waren Analphabeten und meistens durch finanzielle Not ge- zwungen, diesen "anrüchigen" Beruf auszuüben. Eine weibliche Textproduktion Ŕ falls es eine solche gab - konnte also nur über die orale Schiene stattfinden, und diese wurde eingeschränkt durch das Kneipenmilieu. Da die Frauen nur mit der Einbuße ihres guten Rufes dort tätig sein konnten, gab es wesentlich weniger Sängerinnen als Sänger. Sie hatten dadurch weniger Gelegenheit, auf die Ohren eines Sammlers zu treffen,...

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