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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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3 Der zeitgenössische Bildungsroman

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53 3. Der zeitgenössische Bildungsroman Das folgende Kapitel soll den Terminus des Bildungsromans verorten und zei- gen, dass der Begriff auch in anderen Nationalliteraturen gerechtfertigt ist. Die Romangattung ist eng mit der jeweiligen historischen Situation und den sozialen Umständen einer Zeit verknüpft. Die Gegenüberstellung der nationalen Spezifi- ka im deutschen, englischen und amerikanischen Bildungsroman zeigt einer- seits, wie unterschiedlich „ideale“ Lebensläufe im historischen Kontext verlau- fen. Es begründet andererseits konvergierende Charakteristika im zeitgenössi- schen Roman, da der Kampf um Anerkennung in der Gesellschaft für das Indi- viduum in der westlichen Welt Ähnlichkeiten aufweist. In Anlehnung an die Arbeiten von Wilhelm Voßkamp und Winfried Fluck gehe ich in der Untersuchung von einem Funktionsbegriff aus, der Bildungsro- mane nicht als Zeugnisse ihrer Zeit sondern als aktive Formen fiktiver Wirk- lichkeitskonstruktion konzeptualisiert. Als notwendige Voraussetzung für die Definition des Bildungsromans sollen zunächst funktionsgeschichtliche Prämis- sen erörtert werden. 3.1 Funktionsgeschichtliche Prämissen: Funktionshypothesen und Funktionswandel Seit den 1960er und 1970er Jahren entstanden funktionsgeschichtliche Ansätze, die sowohl von rein werkimmanenten wie auch von marxistisch geprägten Ten- denzen abwichen und nach der kulturellen Funktion fiktiver Texte in der jewei- ligen historischen Epoche fragten. Literatur wurde so „weder als bloße Wider- spiegelung gesellschaftlicher Mechanismen noch als Folge universaler und zeit- loser Meisterwerke, sondern als eigenständige[r], aber immer in das jeweils his- torische Zusammenspiel kultureller Kräfte eingebundene[r] Prozess“184 aufge- fasst. In verschiedenen Untersuchungen hat der Germanist Wilhelm...

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