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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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3.2 Der Bildungsroman als spezifisch deutscher Gattungstypus? 57

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57 3.2 Der Bildungsroman als spezifisch deutscher Gattungstypus? Inhalt eines prototypischen Bildungsromans im 18. Jahrhundert ist der Lebens- weg eines von Natur aus charakterlich guten Menschen. Der Protagonist der Er- zählung ist ein sensibler, künstlerisch begabter junger Mann, dessen Leben von der Kindheit bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter nachgezeichnet wird. Beson- ders relevant ist der Künstlerstatus des Helden, denn sie sind es, die zur inneren Reifung eines jungen Menschen führen. Die Entwicklung der Persönlichkeit und die Ausbildung des geistigen Potentials sind eng an den Status des Künstlers angelehnt. Die story des Genres zielt nicht auf die Aufnahme eines Berufs, son- dern auf die Selbstverwirklichung der Hauptfigur im künstlerischen Schaffen.206 Die knappe Skizze mag schon andeuten, dass das organologische Konzept eines kohärenten Lebensweges des Künstlers zu innerer Reife und Selbstbe- stimmung von Anfang an eine utopische Zielvorgabe ist, ein „schöner Entwurf eines Lebenslaufs und des Werdegangs und beider in geheimer Korrespondenz oder delikater Balance, denn Held und Welt sollen nach einer gleichen Schrift angelegt sein, einem einzigen Zauberwort der Natur.“207 Die utopische Ausrich- tung des Genres wird schon am „Urtyp“ des deutschen Bildungsromans, Goe- thes Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795-96), deutlich. Hier besitzt der Protago- nist eine kohärente Identität, die sich über einen linearen Handlungsverlauf ver- deutlicht. Er ist durch seine künstlerischen Anlagen begünstigt und durch das El- ternhaus begütert. Ein junger Mann verlässt das Elternhaus, geht in die Fremde um eigene Erfahrungen zu sammeln...

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