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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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7.3 Geschichte der Kontakte zwischen Literatur und Musik: Von Thematisierung und Strukturanalogien 150

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150 gen zwischen postmoderner Literatur und anderen Künsten.713 Dem widmet sich das vorliegende Kapitel, um so im Anschluss eine gattungstypologische Einord- nung musikalisch-literarischer Kontakte im zeitgenössischen Bildungsroman vorzunehmen.714 7.3 Geschichte der diachronen Kontakte zwischen Literatur und Musik: Von Thematisierung zu Strukturanalogien Die Betrachtung intermedialer Kontakte im historischen Kontext ermöglicht in- teressante Einblicke in den Wandel der Musikwahrnehmung und ihrer Aufga- benzuschreibung durch die Jahrhunderte. Waren seit der Antike Sprache und Musik eng verbunden, da die Musik zur bloßen Illustration und Erhöhung der Sprache diente und deswegen keinen Eigenwert besaß, so kam es um 1800 zu einem tiefgreifenden Wandel der Musikauffassung. Die Instrumentalmusik löste sich aus ihren Funktionsbestimmungen, die sie an liturgische und höfische For- men gebunden hatte. Nun wurde ihre traditionell angesehene Schwäche der feh- lenden rhetorischen Möglichkeiten als vorteilhaft angesehen. Die mangelnde Bezeichnungsfähigkeit der Musik öffnete Wege hin zu einer neuen Ausdrucks- kraft und Unmittelbarkeit ohne hetero-referentielle Sprache.715 Dieser Paradig- menwechsel in der Musik soll im Folgenden in einem Rekurs auf die historische Dimension musikalisch-literarischer Verbindungen überblicksartig dargestellt werden. In der Antike wurde der Kosmos als lebendig angesehen und die Harmonie des Menschen spiegelte die Ordnung des Himmels. Diese Sehnsucht zeigt sich in späteren Zeiten durch die Künste, dieses „Bewusstsein einer verlorengegan- gen und wiederersehnten Harmonie des Menschen innerhalb eines sinnerfüllten Kosmos.“716 Der antike Orpheus-Mythos steht sinnbildlich für die Magie der Musik, die belebte und unbelebte Natur und sogar die Unterwelt besänftigen 713...

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