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Clinton am Kivu-See

Die Geschichte einer afrikanischen Katastrophe

Helmut Strizek

In der Regierungszeit des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton von 1993 bis 2001 ist das zentrale Afrika aus den Fugen geraten. Die amerikanische Politik hat dazu beigetragen. Auslöser für eine Kettenreaktion von Katastrophen (Ruanda-Krieg 1994 und die beiden Kongo-Kriege 1996/1997 und 1998/1999) war Clintons «Flucht aus Somalia» nach dem Desaster von Mogadischu am 3. Oktober 1993. Dem Wirken der Clinton-Administration östlich und westlich des Kivu-Sees und dem Scheitern der nach dem Fall der Berliner Mauer eingeleiteten Demokratisierung auch in diesem Teil der Welt wird in der Untersuchung nachgespürt. Dabei taucht ein «Sudan-Syndrom» als möglicher Erklärungsschlüssel für die amerikanische Politik seit 1993 auf.

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IX. Der zweite Kongo-Krieg (1998-2001) 250

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250 IX. Der zweite Kongo-Krieg (1998-2001) Nach dem Rauswurf der ruandischen Militärs aus Kinshasa begann am 2. August 1998 unter Führung des aus Kinshasa geflohenen bisherigen Kabila- Außenministers Bizima Karaha und des langjährigen AFDL-Generalsekretärs Déogratias Bugera ein Aufstand der "Ruandafraktion" in der AFDL. Meuternde Soldaten der 10. Brigade der Kongo-Armee in Goma erklärten Laurent Kabila für abgesetzt. Die Soldaten der 12. Brigade in Bukavu schlossen sich am 3. Au- gust dem Aufstand an. Ein nicht identifizierter Sprecher erläuterte über Radio Bukavu das Kriegsziel: Die Kivu-Provinzen sollten als autonome Zonen nicht länger zum Kongo-Staatsverband gehören.773 Formeller Sprecher der Aufständi- schen, die nun unter dem Namen Rassemblement Congolais pour la Démocratie (RCD) den historischen Schauplatz betreten, wird zunächst Arthur Zahidi Ngo- ma774, der von Kabila ins Gefängnis gesetzt worden war und später aus gesund- heitlichen Gründen nach Paris hatte ausreisen dürfen. Die USA waren informiert und unterstützten diesen Krieg, dementierten aber nach bekanntem Muster jegliche Beteiligung. Welchen Wert solche De- mentis haben, enthüllte der damalige US-Botschafter Gribbin in seinen Erinne- rungen: „Die USA erkannten die ruandischen Sicherheitsbegründungen als legi- tim an. Wir erkannten auch an, dass es sich bei der RCD um einen Stellvertreter (proxy) der RPF handelte, der in vielerlei Hinsicht, vor allem in Bezug auf Mili- tär- und Sicherheitsfragen von Kigali aus gesteuert wurde.“775 Am 4. August 1998 unternimmt James Kabarebe einen Husarenritt.776 Er fliegt mit drei...

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