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Geschichte und Funktion von Abbildungen in lateinischen Lehrbüchern

Ein Beitrag zur Geschichte des textbezogenen Bildes

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Karl-Heinz von Rothenburg

Im Jahr 1897 wurde der Autor eines bebilderten lateinischen Übungsbuchs von seinen Kollegen mit Hohn und Spott überzogen. Heutzutage wäre ein lateinisches Lehrbuch ohne zahlreiche Abbildungen auf dem Schulbuchmarkt chancenlos. Die Arbeit geht den Gründen für diesen erstaunlichen Wandel nach. Ergebnis: Der deutsche Neuhumanismus hatte über die altsprachlichen Lehrbücher der humanistischen Gymnasien ein striktes Bilderverbot verhängt. Als seit dem Ersten Weltkrieg diesem Verbot zum Trotz Abbildungen in die Lateinbücher eindrangen, wurden nur Reproduktionen antiker Originale geduldet. Diese sind aber zur Veranschaulichung lateinischer Lehrbuchtexte völlig ungeeignet. Unter diesem Dilemma leidet die Konzeption lateinischer Schulbücher in Deutschland bis heute.

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1 Antike 13

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13 1 Antike 1.1 Bebilderte Handschriften Sie waren in der Antike sehr beliebt. Bebilderte ägyptische Totenbücher auf Pa- pyrus gab es sogar schon um 1300 v. Chr. Viele antike auf Papyrusrollen ge- schriebene Bücher waren, wie wir von Plinius dem Älteren wissen, illustriert. Nach seinen Worten gab es ein starkes Verlangen nach Abbildungen, wofür er außer einem Buch des Cicerofreundes Atticus Varros Hebdomades als Beweis anführt.1 Allerdings sind infolge der geringen Haltbarkeit des Papyrus und der Zerstörung der Bibliothek von Alexandria nur wenige Papyrusillustrationen er- halten. Die Erfindung des Pergamentcodex Ende des 1. Jh.s n. Chr. eröffneten der Buchmalerei neue Möglichkeiten. Von Laien betriebene Werkstätten, in de- nen christliche und heidnische Texte illustriert wurden, die für die Spätantike bezeugt sind, lassen auf ein lebhaftes Interesse an bebilderten Handschriften schließen.2 Die Buchmalerei erreichte im 4. Jh. n. Chr. ein hohes künstlerisches Niveau. Weitzmann nennt die Zeit vom 4. bis 7. Jh. n. Chr. das erste Goldene Zeitalter der Buchillustration.3 Von den illustrierten Manuskripten dieser Zeit sind leider nur wenige Fragmente und Kopien wie z.B. der Vergilius Vaticanus (um 400 n. Chr.), der Vergilius Romanus (um 470 n. Chr.), die Ilias Ambrosiana (Ende des 5. Jh.s) oder der Wiener Dioskurides (Anfang des 6. Jh.s)4 auf uns gekommen. Aber diese wenigen Zeugnisse vermitteln einen guten Eindruck von der auffallenden Bilderfreudigkeit dieser Zeit. 1.2 Wissenschaftliche Abhandlungen 1.2.1 Warum wissenschaftliche Abhandlungen meist unbebildert sind Warum blieben aber trotz der Freude an...

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