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Das Kapital als Prozeß

Zur geschichtlichen Tendenz des Kapitalsystems

Emmerich Nyikos

Wohin driftet das aktuelle Gesellschaftssystem aufgrund seiner inneren Logik? Was ist seine geschichtliche Tendenz jenseits und unterhalb des phänomenalen Geschehens? Historische Extrapolationen setzen voraus, der theoretischen Rekonstruktion des Modus operandi des Systems – eine Rekonstruktion auf der Basis des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten – eine historische Dimension zu verleihen, d. h. dieses Funktionieren als einen Prozeß, also als ein Geschichtliches zu fassen: den Stufenaufbau zu dynamisieren in einem integralen Modell, das zugleich die Trajektorie des Systems vom Embryonalen bis hin zum Überreifen, also zur condition post-moderne reflektiert.

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I. Prolog oder: Die Eule der Minerva 9

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9I. Prolog oder: Die Eule der Minerva „Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Gestalt des Lebens alt geworden, und mit Grau in Grau läßt sie sich nicht verjüngen, sondern nur erkennen; die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug.“ G. W. F. Hegel 1. Lange Zeit hat man unter dem Ausdruck „Post-Moderne“ nur eine philosophi- sche, artistische oder „kulturelle“ Attitüde verstanden1 und dabei übersehen, daß dieser Ausdruck treffend eine Ära, nämlich die, die gerade anhebt, bezeichnet,2 eine Ära, de- ren Wesenszug darin besteht, daß die Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft ihre Grundlagen selbst untergräbt, ohne daß sich dies unmittelbar in einen Impetus zu ihrer Transformation umsetzen würde: post also, weil nicht ante, nicht mehr dies, aber auch nicht etwas anderes werdend (was immer die Existenz und die Praxis von Totengräbern, bewußten Akteuren, voraussetzen würde), daher in Wirklichkeit unwirklich, in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod – nach dem Exitus, aber noch nicht im Uni- versum der Schatten. „Post-Moderne“ bezeichnet mithin den Zustand der bürgerlichen Gesellschaft als untoter Toter, als Zombie, gefangen in einer Gegenwart, die als perma- nent sich versteht. 2. Marx hat das Kapitalsystem – verstanden als ein gesellschaftliches Produktions- verhältnis – als ein zutiefst historisches Gebilde betrachtet, nicht nur weil es entstanden ist, sondern – sobald man seine immanenten Tendenzen mit in Betracht zieht – auch wieder „vergeht“ oder zumindest die produktiven Grundlagen setzt, die seine Ablöse erlauben. Er konnte indessen...

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