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Das Kapital als Prozeß

Zur geschichtlichen Tendenz des Kapitalsystems

Emmerich Nyikos

Wohin driftet das aktuelle Gesellschaftssystem aufgrund seiner inneren Logik? Was ist seine geschichtliche Tendenz jenseits und unterhalb des phänomenalen Geschehens? Historische Extrapolationen setzen voraus, der theoretischen Rekonstruktion des Modus operandi des Systems – eine Rekonstruktion auf der Basis des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten – eine historische Dimension zu verleihen, d. h. dieses Funktionieren als einen Prozeß, also als ein Geschichtliches zu fassen: den Stufenaufbau zu dynamisieren in einem integralen Modell, das zugleich die Trajektorie des Systems vom Embryonalen bis hin zum Überreifen, also zur condition post-moderne reflektiert.

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VIII. Epilog oder: Konkretion und Geschichte 613

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613 VIII. Epilog oder: Konkretion und Geschichte „... das Sein der endlichen Dinge als solches ist, den Keim des Vergehens als ihr Insich- sein zu haben; die Stunde ihrer Geburt ist die Stunde ihres Todes.“ G. W. F. Hegel 1. Marx hat immer wieder darauf hingewiesen, daß das System des Kapitals eine eminent historische Gegebenheit ist, daß es nicht nur entsteht, sondern auch wieder ver- geht, ganz nach der Maxime des Mephisto im Faust: „Denn alles was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht.“1 Das Kapitalsystem ist also für Marx zutiefst transitorisch. So heißt es etwa in den Grundrissen: „Erscheinen einerseits die vorbürgerlichen Phasen als nur historische, i.e. aufgehobne Vor- aussetzungen, so die jetzigen Bedingungen der Produktion als sich selbst aufhebende und daher als historische Voraussetzungen für einen neuen Gesellschaftszustand setzende.“2 Das System ist in Wirklichkeit aber nicht nur vorübergehend, sondern auch ein System, das sich in seinem innersten Wesen als historisch erweist: Das Werden beschränkt sich in der Tat nicht auf das Entstehen und wieder Vergehen, sondern ist dem System als solchem immanent. Und wirklich: Das Kapitalsystem stellt einen historischen Prozeß in dem Sinne dar, daß es Stadien oder Phasen durchläuft, die sich progressiv ablösen, sich also als irreversibel erweisen. Das Werden ist also nicht nur ein zyklisches oder, wenn man so will, spiraliges Werden – obwohl die Produktionsperioden innerhalb einer jeden hi- storischen Phase durchaus zyklischen Charakter besitzen und zugleich, wenn man so will, spiralförmig eine auf die andere...

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