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Der kindliche Ich-Erzähler in der modernen Kinderliteratur

Eine erzähltheoretische Analyse mit Blick auf aktuelle Kinderromane

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Regina Hofmann

In Folge eines gewandelten Kindheitsbildes entsteht zu Beginn der 1970er Jahre der moderne Kinderroman. Damit kommt es zu inhaltlichen, thematischen und darstellungstechnischen Veränderungen in der Kinderliteratur und auch zum Durchbruch des «kindlichen Ich-Erzählers». Bislang wurde dieses Phänomen nicht eingehender untersucht. Ziel dieser Studie ist es daher, die Besonderheiten des kindlichen Ich-Erzählens in der Kinderliteratur herauszuarbeiten. Dies geschieht, indem zunächst ein Überblick über Berührungspunkte zwischen Kinderliteraturforschung und Narratologie gegeben wird. Im Anschluss daran werden einzelne kindliche Ich-Erzähler in der Geschichte der deutschen und ins Deutsche übersetzten Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis zur Gegenwart vorgestellt. Den Schwerpunkt bildet die Entwicklung eines Analyseinstrumentariums zur Bestimmung, Beschreibung und Untersuchung kindlicher Ich-Erzähler. Anhand von exemplarischen Analysen wird das Phänomen des kindlichen Ich-Erzählens schließlich veranschaulicht.

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1. Einleitung 11

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11 1. Einleitung In Folge eines gewandelten Kindheitsbildes, durch welches Kinder „nicht mehr als andere Wesen [gelten], die in einer eigenen Welt leben und vom modernen, heillosen und problematischen Leben der Erwachsenen getrennt werden kön- nen“ (Steinz/Weinmann 32002, S. 121), entsteht zu Beginn der 1970er Jahre der ‚moderne Kinderroman‘. Dieser zeichnet sich nicht nur durch veränderte The- men und Inhalte, wie die Darstellung von Krisen, Konflikten und alltäglichen Problemen, sondern insbesondere auch durch den Rückgriff auf Erzähltechniken und Darbietungsweisen des modernen (Erwachsenen)Romans aus.1 Gegenstand dieser Arbeit ist nun eine spezifische Realisationsform der Kinder- perspektive: das Phänomen des kindlichen Ich-Erzählers. Das heißt, es genügt nicht, dass eine Geschichte aus den Augen einer kindlichen Figur präsentiert wird, sie muss auch aus dem Mund eines Kindes erzählt sein. Ein kindlicher Ich- Erzähler übernimmt somit die Aufgabe der Vermittlung seiner Geschichte selbst. Wie es für Ich-Erzähler generell charakteristisch ist, ist er gleichermaßen narrativer Vermittler und beteiligte Figur seiner Geschichte. Erzähler und Er- zähltes stehen dabei in unmittelbarem, ‚existenziellem‘ Zusammenhang, denn ein Ich-Erzähler berichtet von Ereignissen, die er selbst erlebt hat, seinen Be- gegnungen mit anderen Figuren, seinen persönlichen Konflikten und Problemen, seinen glücklichen Momenten und positiven Erfahrungen. Als stark anthropo- morphisierte Erzählerfigur ist er an die kognitiven und physischen Grenzen des Menschenmöglichen gebunden. Prinzipiell kann er daher lediglich von Ge- schehnissen berichten, die ihm persönlich widerfahren sind oder die er...

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