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Der kindliche Ich-Erzähler in der modernen Kinderliteratur

Eine erzähltheoretische Analyse mit Blick auf aktuelle Kinderromane

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Regina Hofmann

In Folge eines gewandelten Kindheitsbildes entsteht zu Beginn der 1970er Jahre der moderne Kinderroman. Damit kommt es zu inhaltlichen, thematischen und darstellungstechnischen Veränderungen in der Kinderliteratur und auch zum Durchbruch des «kindlichen Ich-Erzählers». Bislang wurde dieses Phänomen nicht eingehender untersucht. Ziel dieser Studie ist es daher, die Besonderheiten des kindlichen Ich-Erzählens in der Kinderliteratur herauszuarbeiten. Dies geschieht, indem zunächst ein Überblick über Berührungspunkte zwischen Kinderliteraturforschung und Narratologie gegeben wird. Im Anschluss daran werden einzelne kindliche Ich-Erzähler in der Geschichte der deutschen und ins Deutsche übersetzten Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis zur Gegenwart vorgestellt. Den Schwerpunkt bildet die Entwicklung eines Analyseinstrumentariums zur Bestimmung, Beschreibung und Untersuchung kindlicher Ich-Erzähler. Anhand von exemplarischen Analysen wird das Phänomen des kindlichen Ich-Erzählens schließlich veranschaulicht.

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6. Schlussbetrachtung: Der kindliche Ich-Erzähler – Zusammenfassung, Funktionen, Reflexion und Ausblick 252

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252 6. Schlussbetrachtung: Der kindliche Ich-Erzähler – Zusammenfassung, Funktionen, Reflexion und Ausblick Der kindliche Ich-Erzähler, definiert als eine Ich-Erzählerfigur, die zum Zeit- punkt ihres Erzählens (noch) ein Kind ist, tritt bereits sehr früh in der spezifischen Kinderliteratur seit ihren Anfängen im letzten Drittel des 18. Jahr- hunderts auf. Zunächst geschieht dies in Tagebuch- und Briefromanen. Dabei muten die kindlichen Ich-Erzähler bzw. Tagebuch- und Briefschreiber (aus heu- tiger Sicht) zunächst noch relativ ‚unkindlich‘ an, da sie in erster Linie als Muster für ein vorbildliches Verhalten dienen und in einer Literatur für Kinder in Erscheinung treten, deren Ziele die Sozialisation, Erziehung und Belehrung ihrer heranwachsenden Adressaten sind. Im Verlauf der Geschichte der Kinder- literatur tauchen in der Folgezeit jedoch immer wieder, wenn auch vereinzelt, kindliche Ich-Erzählerfiguren auf, die sich durch eine sehr subjektive Sicht und Erzählweise auszeichnen und als kindliche Individuen gestaltet sind. Während es sich dabei für längere Zeit um besonders innovative kinderliterarische Werke handelt und die darin präsentierten kindlichen Ich-Erzählerfiguren allenfalls als erzähltechnische Randerscheinungen der Kinderliteratur bezeichnet werden können, ändert sich dies gegen Ende der 1960er Jahre. Im Zuge eines umfassen- den gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses kommt es auch zu einem einschneidenden Wandel der Kindheitsauffassung: Wir haben es durchaus mit einer erneuten und zugleich neuartigen Entdeckung des Kindes zu tun, einem ungewohnt emphatischen Ernstnehmen des kindlichen Men- schen. Gefordert werden eine uneingeschränkte Gleichberechtigung, eine umfassende Emanzipation der Kinder, die zu mündigen...

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