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Rudolf Goldscheid: Menschenökonom und Finanzsoziologe

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Helge Peukert

Das Buch befasst sich mit wesentlichen Beiträgen des universalen Privatgelehrten, Pazifisten und Sozialreformers Rudolf Goldscheid (1870-1931). Nach einem Überblick über sein Leben wird zunächst sein sozialbiologisches Werk behandelt, gefolgt von seinem Ansatz der Menschenökonomie. Erwähnung finden seine Auseinandersetzung mit dem Marxismus, seine Schriften zu Krieg und Frieden und zum Werturteilsstreit. Den Schwerpunkt stellt die Darstellung und kritische Diskussion der von ihm begründeten Finanzsoziologie dar, die auch zum Verständnis der Gegenwart (Finanzkrise) taugt und nach wie vor Anregungen für eine kritische Finanzwissenschaft bietet.

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5. Die Meliorationstheorie: Goldscheids Marxrezeption und seine Position im Werturteilsstreit 49

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49 5. Die Meliorationstheorie: Goldscheids Marxrezeption und seine Position im Werturteilsstreit An mehreren Stellen zeigte sich bereits Goldscheids kritische Haltung gegen- über einigen Grundthesen des Marxismus, obwohl er sich selbst als überzeugter Sozialist verstand. Seine ausführlichste Auseinandersetzung findet sich in seiner etwa 50 Seiten umfassenden Schrift über Verelendungs- oder Meliorationstheo- rie (1906). Er hält den Revisionismus für kein Zufallsprodukt, die Debatte zwi- schen Bernstein und Kautsky entspreche der doppelten Auslegbarkeit eines un- entschiedenen Marx, der sich nicht klar darüber war, ob die Entwicklung zum Sozialismus von den rein kapitalistischen Tendenzen der Wirtschaft oder mehr von den psychologischen Gegentendenzen des Proletariats ausging (1906, 9). Einerseits habe Akkumulation und Konzentration des Kapitals stattgefunden, aber ebenso seien bei aller Mangelhaftigkeit doch auch die Masseneinkommen, auch dank eines höheren Organisationsgrades der Arbeiterschaft gestiegen. Eine absolute Verelendung habe nicht stattgefunden, die Hoffnung auf den großen Kladderadatsch sei vergeblich. Eine gewaltige Akkumulation stehe einem hohen Organisationsgrad der Arbei- terklasse gegenüber, hieraus leitet Goldscheid ab, dass das ökonomische Ele- ment in Deutschland gegenüber dem psychologischen zu geringerer Bedeutung herabgesunken sei (1906, 12). Ob die Konzentrations- oder Verelendungsten- denzen weiter zunehmen sei nicht so erheblich für den Gang der Dinge als der Wille der Arbeiterklasse. Für diese zentrale Behauptung finden sich überra- schender Weise keine näheren Begründungen oder Anhaltspunkte, es bleibt bei der bloßen Feststellung. Hiermit bleibt Goldscheid weit hinter der zeitgenössi- schen Marxdiskussion z.B. des Austromarxismus oder späteren Versuchen eines mehr aktivistischen...

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