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Rudolf Goldscheid: Menschenökonom und Finanzsoziologe

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Helge Peukert

Das Buch befasst sich mit wesentlichen Beiträgen des universalen Privatgelehrten, Pazifisten und Sozialreformers Rudolf Goldscheid (1870-1931). Nach einem Überblick über sein Leben wird zunächst sein sozialbiologisches Werk behandelt, gefolgt von seinem Ansatz der Menschenökonomie. Erwähnung finden seine Auseinandersetzung mit dem Marxismus, seine Schriften zu Krieg und Frieden und zum Werturteilsstreit. Den Schwerpunkt stellt die Darstellung und kritische Diskussion der von ihm begründeten Finanzsoziologie dar, die auch zum Verständnis der Gegenwart (Finanzkrise) taugt und nach wie vor Anregungen für eine kritische Finanzwissenschaft bietet.

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7. Abschließende Würdigung 101

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101 7. Abschließende Würdigung Witrisal (2004, 155-158) gibt in seinen Schlussbemerkungen folgende Gründe für die heute eher geringe Beachtung Goldscheids an: (1.) Seine unhaltbare Posi- tion im Werturteilsstreit (man muss Witrisals schroffe These der Unhaltbarkeit der Position Goldscheids nicht teilen), (2.) die fiskalpolitischen Vorschläge, die vielen als reine Utopie erschienen, (3.) seine fehlende Verankerung im universi- tären Umfeld, (4.) die lamarckistische Sozialbiologie, die nicht mit zentralen Ergebnissen der heutigen Evolutionstheorie übereinstimmt, (5.) eine planende Menschenökonomie, die Elemente eines biologischen Totalitarismus enthalte, wenngleich gewisse Elemente in die sozialstaatliche Praxis einflossen und (6). böten seine theoretischen Überlegungen insgesamt wenig substantiell Neues. Ein Grund der Distanzierung mag auch darin liegen, dass Goldscheid ideenge- schichtlich ein Kind der Moderne ohne wenn und aber war. Das Tagebuch der Frauenrechtlerin Rosa Mayreder (1988), die zur liberalen Reformbewegung des Wiener Bürgertums zählte und u.a. den Verein zur Bekämpfung der Prostitution mit gründete, erlaubt interessante Rückschlüsse auf Goldscheid, da sie mit ihm eine langjährige, enge Freundschaft verband, die im Tagebuch an vielen Stellen (über gemeinsame Treffen, Gespräche, Spaziergänge, die Jausendebatten usw.) zum Ausdruck kommt. Sie äußert in einigen Passagen Kritik an Goldscheids Weltsicht. So wendet sie sich gegen seinen falschen Idealismus, etwa wenn Goldscheid meint, nur Aufklärung sei nötig, um die Massen vom Krieg abzuhal- ten (1988, 150), seine Idealisierung Englands während des Krieges (1988, 148- 149), seine These, nur der Kapitalismus sei schuld an den Übelst...

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