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Mensch im Dunkel

Eine qualitative Fallstudie zu osteuropäischen Opfern von Frauenhandel- Ein Beitrag zur Psychotraumatologie

Katarzyna Zentner

Bei dieser Fallstudie handelt es sich um die Darstellung und qualitative Analyse der psychischen Gesundheit von Opfern des Frauenhandels aus der psychotraumatologischen Sicht. Durch eine Kombination von drei verschiedenen Methoden, zu der problemzentrierte Interviews, die Aktenanalyse von Beratungs- und Gerichtsdokumenten sowie standardisierte Fragebögen zur klinischen Diagnostik gehörten, wurde vielschichtige komplexe Extremtraumatisierung mit Frauenhandelssyndrom (Syndrom der modernen Sklaverei) bei den Opfern, Jahre nach dem Geschehen, nachgewiesen.

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5. Situation von Frauen, die als Opfer von Frauenhandel eine Aussage gemacht haben – Phasenmodell

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101 102 5.1 Anfangsphase Die Anfangsphase beginnt in dem Moment, in dem feststeht, dass eine Frau Opfer von Frauenhandel geworden ist. Diese Feststellung wird in den meisten Fällen im Rahmen einer Razzia durch die Polizei getroffen. Auch in den Fällen, in denen sich die Frau auf eine andere Weise offenbart, zum Beispiel durch Be- ratungsgespräche im Gefängnis oder durch Selbstanzeige, wird sie früher oder später mit der Polizei in Berührung kommen, um eine Aussage zu machen. Die- se Phase beginnt also mit dem Zeitpunkt der Feststellung der Opfereigenschaft der Frau und dauert ca. drei bis vier Monate. Von der Art der polizeilichen Kontrolle hängt ab, ob die Frau festgenommen wird. Bei der Kontrolle werden die Polizeibeamten gefordert, mit großer Sensi- bilität, die durch Erfahrung erworben worden ist, vorzugehen. Die Betroffenen sind von den Tätern in den meisten Fällen sehr eingeschüchtert und entspre- chend konditioniert, sodass sie in dieser Situation nur selten Vertrauen zeigen können. Dieser Befund wird verstärkt durch die nicht selten bei der Festnahme eingesetzten Handschellen. Die Opfer sind verängstigt und schockiert, dass sie wie Kriminelle behandelt werden. Um ihr Sicherheitsgefühl wiederzustellen, um überhaupt mit den Frauen in Kontakt zu treten und ins Gespräch zu kommen, müssen die Opfer so schnell wie möglich vom Tatort entfernt und von den Tätern getrennt werden. Auf der Polizeidienststelle wird sodann eine Identitätsprüfung durchgeführt. Die Prüfung erschüttert...

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