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Mensch im Dunkel

Eine qualitative Fallstudie zu osteuropäischen Opfern von Frauenhandel- Ein Beitrag zur Psychotraumatologie

Katarzyna Zentner

Bei dieser Fallstudie handelt es sich um die Darstellung und qualitative Analyse der psychischen Gesundheit von Opfern des Frauenhandels aus der psychotraumatologischen Sicht. Durch eine Kombination von drei verschiedenen Methoden, zu der problemzentrierte Interviews, die Aktenanalyse von Beratungs- und Gerichtsdokumenten sowie standardisierte Fragebögen zur klinischen Diagnostik gehörten, wurde vielschichtige komplexe Extremtraumatisierung mit Frauenhandelssyndrom (Syndrom der modernen Sklaverei) bei den Opfern, Jahre nach dem Geschehen, nachgewiesen.

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6. Methodisches Vorgehen

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6.1 Auswahl der Methoden Die Wahl, sich in dieser qualitativen Forschungsarbeit auf die Tiefenhermeneu- tik als eine psychoanalytisch orientierte Methode qualitativer Sozialforschung zu stützen und zu benutzen, wurde getroffen, weil die Fragestellung zum Thema über die Traumatisierung der Opfer von Frauenhandel tiefergreifend beantwor- tet werden sollte. Die Tiefenhermeneutik ermöglichte einen Zugang zu der Viel- falt an Schädigungen bei Opfern von Frauenhandel, die die Opfer zu verbergen gelernt haben. Die Tiefenhermeneutik beschäftigt sich mit den unbewussten Prozessen sowohl im Geschehen als auch im Verhaltensmuster des Subjektes im Untersuchungs- feld, was für die Traumaforschung von größter Bedeutung ist. Nach Lorenzer, der die Tiefenhermeneutik als eine Methode im psychoanalyti- schen Kulturkontext entwickelte, ist Tiefenhermeneutik: „Die Enträtselung der unbewussten Bedeutungen, die das Leitmerkmal der psychoanalyti- schen Kulturanalyse ist.[...] Das Unbewusste ist das Verbotene. Es sind Wünsche, die der allgemeine Konsens verpönte; sie widersprechen den Normen und Werten der geltenden Kultur. Vor allem widersprechen sie denjenigen Normen und Werten, die das Individuum sich aufzwängen ließ; diese innere Sicherung ist das Entscheidende. Wenn die psychoanalyti- sche Tiefenhermeneutik ins Geheimnis des Unbewussten eindringen will, muss sie sich gegen jene Verbote wenden, die dagegen aufgerichtet sind, dass die Auseinandersetzung zwischen Wünschen, Normen und Werten offen und mit Bewusstsein geführt wird.“182 Die unbewussten Bedeutungen, die in den Texten des Forschungsmaterials (in Interviews) zu finden sind, werden in die Sprache des Subjektes umgesetzt. Sie werden sehr sorgfältig durch „szenisches Verstehen“ (s. Unterkapitel 6.5.) ausgewer- tet und...

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